Barrierefrei posten: Tipps für inklusivere Social-Media-Kanäle

Komplexe Inhalte vermitteln und dabei ein möglichst breites Publikum erreichen: Diese Aufgabe müssen Kulturinstitutionen im Netz meistern. Doch wie schließt man dabei niemanden aus? Alles über die Hürden und die richtigen Strategien auf dem Weg zum barrierefreien Social Media-Auftritt.

Ein Handy in einer Hand.
Foto von Sheriseeeee on Unsplash

Ganz egal ob für die Bewerbung eigener Inhalte, die Ankündigung von Veranstaltungen oder den Ausbau des eigenen Netzwerks: Auch für Kulturinstitutionen und Kulturschaffende gehören Social-Media-Kanäle mittlerweile zum Alltag dazu. Und auch die Frage, wie man die Reichweite einzelner Posts erhöht – sei es auf Twitter, Facebook, Instagram oder anderen Plattformen – ist längst von zentraler Bedeutung. Weitaus seltener wird in diesem Zusammenhang jedoch noch immer über Barrierefreiheit und Inklusion nachgedacht. Wie kann man mit seinen Posts auch Menschen erreichen, die eine Leseschwäche haben? Wie werden blinde oder taube Internetnutzer:innen angesprochen? Und wo lauern in der Außenkommunikation fachliche oder kulturbedingte Hürden, die interessierte Leser:innen abschrecken könnten? Auch wenn soziale Medien bereits mit vielen Möglichkeiten aufwarten, um barrierefrei zu posten, beschäftigen sich die meisten Institutionen noch immer viel zu wenig mit diesen Fragen. Was können wir also tun, um unsere eigenen Social-Media-Kanäle inklusiver zu gestalten? Der folgende Leitfaden für das barrierefreie Posten gibt Antworten. 

Leitfaden für das barrierefreie Posten auf Social-Media-Kanälen 

Barrieren beim Posten von Inhalten

Wollen Kulturinstitutionen und Kulturakteur:innen ihre Posts inklusiver gestalten, dann sollte am Anfang zunächst die Erkenntnis stehen, dass es für sie bei dem Teilen von Inhalten im Netz im Kern darum geht, bei interessierten Nutzer:innen eine Handlung auszulösen. Wer den Post liest, soll etwa auf einen weiterführenden Link klicken, eine anstehende Veranstaltung besuchen oder einen Kommentar verfassen bzw. den Like-Button drücken. Damit es so weit kommt und möglichst viele Menschen angesprochen werden, sollten die geteilten Inhalte vor allem gut auffindbar, wahrnehmbar und verständlich sein. Hier den richtigen Ton und den richtigen Stil zu finden, ist jedoch aufgrund des sehr breiten Publikums im Netz und einer ganzen Reihe von Hürden oder „Barrieren“ bei weitem nicht so einfach, wie es klingt.  

Hildesheimer Treppe, ein Modell von Prof. Dr. Christiane Maaß und Isabel Rink

 

Welche Hürden das sind, beschreibt das Modell der sogenannten Hildesheimer Treppe, das von Prof. Dr. Christiane Maaß und Isabel Rink entworfen wurde. Das Modell zeigt dabei jedoch nicht nur die Hindernisse für gelungene Kommunikation auf, sondern auch die Faktoren, die bei der Vermittlung von Wissen und der Weitergabe von Informationen ausschlaggebend sind. Also etwa, inwiefern Informationen “auffindbar”, “wahrnehmbar”, “verständlich” und “akzeptabel” sind. 

Zu den Barrieren, die die Hildesheimer Treppe aufführt, zählen derweil:

  • Motorikbarrieren
    Geteilte Inhalte können beispielsweise nicht Screenreader-tauglich und  somit für blinde Nutzer:innen nicht zugänglich sein.
  • Medienbarrieren
    Wird ein Post nur auf einer Plattform geteilt (z.B. Twitter), dann sind User auf anderen Plattformen (z.B. Instagram) komplett ausgeschlossen. 
  • Wahrnehmungsbarrieren
    Ist die Ton- oder Videoqualität bei einem Beitrag zu schlecht, dann schalten viele User:innen bereits früh ab.
  • Kognitionsbarrieren
    Wegen einer Leseschwäche oder andere Einschränkungen schrecken Nutzer:innen womöglich vor langen und komplexen Posts zurück.
  • Sprach- und Fachsprachbarrieren
    Je mehr Fachjargon und Spezialbegriffe verwendet werden, desto mehr Menschen fühlen sich nicht angesprochen oder überfordert.
  • Kulturbarrieren
    Inhalte sind womöglich nicht so auf User:innen aus anderen kulturellen Kontexten zugeschnitten, dass sie verständlich sind. 
  • Motivationsbarrieren 
    Interessent:innen werden von einem Post nicht so angesprochen, dass Sie sich dazu angehalten fühlen, aktiv zu werden.
  • Emotionsbarrieren
    Ein Post, der emotional aufwühlt oder gewisse Leser:innen verletzt, wird oft gar nicht aufgenommen und internalisiert, weil Menschen emotional abschalten oder sich von dem Inhalt gestresst fühlen. 

Barrieren überwinden: Was kann man selbst tun?

Um die oben genannten Hürden zu überwinden und eigene Posts barrierefrei und inklusiv zu gestalten, können sich Kulturinstitutionen und Kulturakteur:innen an fünf wichtigen Eckpunkten orientieren: der verständlichen Kommunikation von Inhalten, der richtigen Nutzung von Hashtags, der Einbindung von Untertiteln und Alt-Text sowie der plattformübergreifenden Vernetzung von Posts. Denn je besser die Inhalte auf Basis dieser fünf Benchmarks gestaltet werden, desto mehr Menschen erreichen sie.  

Mit Blick auf die Verständlichkeit von Posts schaden sich viele Institutionen selbst, indem sie zu viele Fachwörter oder Spezialbegriffe verwenden – oder Inhalte zu komplex wiedergeben. Das führt oft dazu, dass sich User:innen überfordert fühlen und schnell abschalten bzw. wegklicken. 

Abbildung in Anlehnung der Darstellung von #barrierefreiPosten

Tipps:

  • Posts sollten von mehr als einer Person gegengelesen und vereinfacht werden. Vermeide also Fachwörter und Spezialbegriffe und kürze lange und überkomplexe Sätze ein.
  • Informiere dich über „leichte Sprache“ und „einfache Sprache“ und eigne Dir einige der Regeln an, um Deine Posts auch für Menschen mit Leseschwäche zugänglich zu machen. 

Ein ebenso wichtiger Punkt ist die richtige Verwendung von Hashtags & Social Media Handles. Diese können nämlich mitunter den Lesefluss stören und nicht Screenreader-tauglich sein. Gerade weil Hashtags auf Social Media-Plattformen mittlerweile fest dazugehören, sollten sie smart eingesetzt werden. 

Tipps:

  • Besteht ein Hashtag aus mehreren Wörtern, dann schreibe jeden Wortanfang mit einem Großbuchstaben (also z.B. statt #photooftheday lieber #PhotoOfTheDay). So kann der Hashtag auch von einem Screenreader ausgelesen werden. 
  • Integriere Hashtags und Social Media Handles nur dann direkt in einen Fließtext, wenn sie den Lesefluss nicht stören und verständlich sind. Spiegelt das verlinkte Profil einer Zitatgeberin etwa nicht den Namen der Person, sondern einen Spitz- oder Künstlernamen wider, dann wirkt das womöglich verwirrend. 


Ebenso wie verständliche Hashtags dazu genutzt werden sollten, textbasierte Posts zugänglicher zu gestalten, so sollten auch Untertitel eingebunden werden, um die Barrierefreiheit von Videobeiträgen zu garantieren. Denn ohne Untertitel haben viele Menschen keine Chance, den Inhalt eines Videos wahrzunehmen bzw. aufzunehmen. 

Tipps:

  • Falls keine andere Software vorhanden: Nutzedie Bauchbinden-Funktion von Programmen wie Windows Movie Maker oder iMovie, um Untertitel zu verfassen. 
  • Bleib mit deinen Untertiteln möglichst nah am Originaltext und halte dich an formale Standards: Es sollten beispielsweise ca. 13 Zeichen pro Sekunde lesbar sein und Untertitel sollten im Dreiecksformat verfasst werden (kürzere Zeile oben, längere Zeile unten)
  • Garantiere die Lesbarkeit der Untertitel, indem Du sie mindestens halb-transparent oder farblich unterlegst.
  • Vermeide die Nutzung von Programmen, die automatische Untertitel generieren. Hier funktioniert die Spracherkennung nämlich noch viel zu oft nur unzureichend. 


Während sich bei der Einbindung von Hashtags und Untertiteln vor allem die Frage stellt, wie man es richtig macht, geht es in Bezug auf Alt-Text leider noch immer in erster Linie darum, ihn überhaupt einzubinden. Viel zu viele Institutionen und auch Medien verzichten nämlich noch immer vollständig auf die Nutzung dieser kurzen Bildbeschreibungen. 

Tipps:

  • Denke das Erstellen von Alt-Text in deinen Arbeitsabläufen mit.
  • Formuliere deine Bildbeschreibungen kurz, verständlich und möglichst objektiv. 
  • Vermeide es, Alt-Text-Felder für die Einbindung anderer Informationen zu nutzen (z.B. für Quellenangaben). 

Neben diesen inhaltlichen Punkten sollte zudem auf das plattformübergreifende Teilen von Posts bzw. die Vernetzung von Inhalten geachtet werden. Denn je mehr Nutzer:innen durch eine zu kleine Streuung ihrer Posts ausgeschlossen werden, desto weniger barrierefrei sind auch ihre Inhalte. 

Tipps:

  • Spiele einen Inhalt auf mehreren verschiedenen Plattformen aus, also nicht nur bei Twitter, sondern ggf. auch auf Facebook, Instagram und anderen Plattformen. 
  • Nutze verschiedene Formate: Ein Inhalt, der auf Instagram mit einem Bild gepostet wurde, kann zum Beispiel auch nochmal in der Instagram-Story mit einem Video bespielt werden.

Weitere hilfreiche Tipps und Tricks zum inklusiven Posten und mehr Inhalte zum Thema Barrierefreiheit finden sich im entsprechenden Feature von kulturBdigital.

Inklusive Inhalte: Best Practices aus dem Kultur- und Medienbereich

Screenshot “Mädelsabende”

Auch wenn der Weg zu wirklich barrierefreien Inhalten im Netz noch recht weit zu sein scheint: Viele Institutionen und Organisationen im Kultur- und Medienbereich haben in Sachen Inklusion bereits große Fortschritte gemacht. Zu den besten Beispielen gehört dabei etwa die Sendung „Mädelsabende“ des Content-Netzwerks funk, die ihre Videos durchgehend untertitelt und hierbei auch auf die Lesbarkeit und das Lesetempo achtet. 

Ähnlich vorbildlich agiert in Sachen Inklusion auch das Social Media-Team von Staatsministerin Claudia Roth, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Auf dem zugehörigen Twitter-Profil werden gepostete Bilder standardmäßig mit Alt-Text versehen, der äußerst prägnant und deskriptiv gehalten wird. 

Screenshot Twitter @BundesKultur
Screenshot Instagram Schwules Museum Berlin

In Sachen Hashtag-Nutzung und Verständlichkeit tut sich derweil zum Beispiel der Instagram-Kanal des Schwulen Museums hervor. Dieser verzichtet weitestgehend auf die direkte Einbindung von Hashtags im Fließtext und verfasst Hashtags, die aus mehreren Wörtern zusammengesetzt sind, mit der entsprechenden Groß- und Kleinschreibung (etwa #AccessibleEhxibit statt #accesibleexhibit). So können diese auch ohne Fehler von Screenreadern ausgelesen werden.

Facebook, Twitter und Co.: Welche Funktionen unterstützen die Barrierefreiheit? 

Das Thema Inklusion und Barrierefreiheit hat auf Social Media-Plattformen in der Vergangenheit nicht viel Aufmerksamkeit bekommen. Mittlerweile haben viele Unternehmen jedoch auf die anhaltende Kritik reagiert und bieten eine Reihe von Funktionen an, mit denen Posts, Videos und andere Inhalte inklusiver gestaltet werden können.

Die folgende Tabelle gibt Aufschluss darüber, welche Tools Nutzer:innen auf den verschiedenen Plattformen bereits zur Verfügung stehen: 

 FacebookTwitterInstagram
Alt-Text-OptionJa Bild posten und anklicken, dann die drei Punkte an der rechten oberen Ecke anklicken und „Alttext bearbeiten“ auswählen. Auch eine Nachbearbeitung ist möglich. JaTweet mit Bild hochladen, dann „ALT“ anklicken und Alternativtext eingeben. Eine Nachbearbeitung ist nicht möglich.  Ja Post vorbereiten, dann unten auf „Einstellungen“ klicken und den Alternativtext eingeben. Auch eine Nachbearbeitung ist möglich.   
Untertitel können 
hinzugefügt werden
Ja Untertitel können allerdings nur über das Hochladen einer entsprechenden SRT-Datei eingefügt werden.Ja Untertitel können allerdings nur über das Hochladen einer entsprechenden SRT-Datei eingefügt werden.Ja

Über den Sticker „Captions“ können Insta-Stories mit automatisch generierten oder selbst bearbeiteten Untertiteln versehen werden.

Zum Fokus Barrierefreiheit

In der Ressourcensammlung von kulturBdigital haben wir einen Themenschwerpunkt rund um das Thema digitale Barrierefreiheit zusammengestellt. Hier entlang.