Digitale Entwicklung in Berlins Kulturbereich: eine Zwischenbilanz

Wo stehen wir, wo wollen wir hin? Kultursenator Dr. Klaus Lederer über Erkenntnisse aus der ersten Phase des Berliner Förderprogramms und weitere Pläne rund um die digitale Entwicklung im Kulturbereich.

Video: Technologiestiftung Berlin / Movact

Kultursenator Dr. Klaus Leder betont zu Beginn seiner Zwischenbilanz, dass für ihn beim Thema digitale Entwicklung im Kulturbereich nicht Fragen der Wirtschaftlichkeit oder Effizienz im Mittelpunkt stehen, sondern dass er in digitalen Angeboten vor allem ein Mittel zur Teilhabeförderung sieht. Wie wichtig das sei, habe gerade die Corona-Pandemie eindrucksvoll gezeigt. Es sei aber auch deutlich geworden, dass digitale Angebote nur als Ergänzung und Bereicherung geeignet seien, und keinen Ersatz für die „Haptik“ und das echte Erlebnis bieten.

Projekte mit Modellcharakter statt Insellösungen

Trotz der Beeinträchtigung durch die Corona-Krise konnte 2020 die erste Phase des Förderprogramms ‚Digitale Entwicklung im Kulturbereich‘ abgeschlossen werden. Die ersten Auswahlentscheidungen kommen einem breiten Spektrum von Kulturakteur:innen aus verschiedenen Sparten und Bezirken zu Gute. Die Zahl von 11 bewilligten Projekten im Verhältnis zu den rund 100 eingegangenen Anträgen zeige aber auch, so der Berliner Kultursenator, wie groß der Bedarf über die erste Förderung hinaus noch sei. Weil nicht alle Interessierten zum Zuge kommen können ist es umso wichtiger, dass die ausgewählten Projekte Modellcharakter haben und auch als Blaupause für andere Digitalisierungsvorhaben anwendbar sind.

Pläne für 2021

Der nächste Schritt ist Anfang 2021 eine Stakeholder-Befragung innerhalb der Kulturszene, die die Bedarfe bei der digitalen Infrastruktur aufzeigen soll. Bei neu entstehenden Kulturorten sollen die Schnittstellen ins Digitale schon bei der Konzeption und Ausstattung mitgedacht werden.

Eine weitere wichtige Aufgabe der „digitalen kulturellen Daseinsfürsorge“, so Klaus Lederer, sei ein Kurswechsel von Insellösungen hin zu einer zentralen Kulturdatenplattform über die Daten automatisiert in relevante Portale gestreut werden können. „Klar ist aber, die Kosten für eine solche Plattform können nicht den Veranstaltern aufgebürdet werden. Und trotz aller Vernetzung der Akteure muss die Kunstfreiheit unangetastet bleiben.“ Die Digitalisierung der Berliner Kulturszene bleibt auch in den nächsten Jahren ein Spagat zwischen drängenden Problemen, für die schnelle Lösungen gefunden werden müssen, und der langfristigen Arbeit an zukunftsweisender digitaler Infrastruktur.

Text: Franziska Walser

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