Das Smartphone wird zur Filmkamera?

26. April 2019

Mit diesen einfachen Tricks werden eure Handyaufnahmen filmreif!

Für die Kommunikation von Unternehmen und Organisationen sollte das Medium Bewegtbild eine essentielle Rolle spielen. Nutzer*innen konsumieren Inhalte gerne in passiver Form. Hier eigenen sich Videos besonders gut, z.B. um Veranstaltungen vorzustellen und zu erklären, Fragen zu beantworten oder zusätzliche Informationen bereitzustellen.

Doch die Produktion von Videos ist teuer und die sozialen Netzwerke sind schnelllebig. Wie kann also das Kosten-Effekt-Dilemma gelöst werden?

Dazu muss man an erster Stelle verstehen, warum Film- und Videoproduktionen, durchgeführt von Produktionsfirmen, so kostspielig sind. Neben der kreativen Leistung und dem benötigten Personal, wie Kameraleuten, Tonassistent*innen und Redakteur*innen, spielt die technische Ausrüstung eine große Rolle bei der Kostenkalkulation.

Doch ist das immer notwendig? Ein kurzes Interview mit einem/einer Künstler*in für Instagram, ein kleiner Trailer für bevorstehende Veranstaltungen auf Facebook oder eine Veranstaltungszusammenfassung als Bewegtbild für den E-Mail-Verteiler kann man durchaus selbst produzieren.

Das Wichtigste dafür haben die meisten von uns täglich in Benutzung – das eigene Handy. Smartphone-Kameras sind in den vergangenen Jahren immer besser geworden. So gibt es inzwischen gleich mehrere Smartphones, die Videos sogar in 4K-Qualität aufnehmen können. Außerdem ist das Mobiltelefon immer gleich zur Hand, wenn sich überraschende Momente für ein Video vor der Linse präsentieren. Mit einem Smartphone und dem richtigen Zubehör gelingen filmreife Aufnahmen im Handumdrehen. Wer sich nach dem Dreh nicht über verwackelte und verpixelte Aufnahmen oder zu schlechtem Ton ärgern möchte, sollte folgende Tipps beachten.

Beim Filmen auf das eigene Handy zu setzen, hat auch organisatorische Vorteile! Die sozialen Netzwerke sind schnell! Wenn ihr also eure Zielgruppe auf Facebook, Instagram, Twitter und YouTube erreichen wollt, solltet ihr gewisse Momente mit dem Handy festhalten, bearbeiten und gleich hochladen. Das sind Abläufe, die ihr so mit klassischen Kameras und Produktionsabläufen nicht habt.

Tipp 1: Vorbereitung

Inhaltlich
Natürlich muss niemand zum Drehbuchautor werden, wenn er/sie gelegentlich mal ein paar Momente mit seiner/ihrer Smartphone-Kamera festhalten will. Doch sollte sich jede/r, der/die ein spannendes Event-, Interview- oder Ankündigungsvideo drehen will, vorher genau überlegen, welche Szenen eingefangen werden sollten. Möglicherweise lohnt es sich, schon im Vorfeld zur Kamera zu greifen und ein paar Szenen aufzunehmen, die dann später zum Film – in einer Art Rückblende – hinzugeschnitten werden. Außerdem könnt ihr euch bei den Vorbereitungen schon überlegen, ob ihr möglicherweise auch Zubehör wie beispielsweise ein Stativ oder eine Zusatzlinse für einen etwas anderen Blickwinkel beim Dreh benötigt. Darüber hinaus sollte man sich Gedanken zum Thema Bild-, Musik- und Veröffentlichungsrechte machen. Genauere Informationen dazu könnt ihr der Hilfestellung für die Realisation von Videoprojekten entnehmen, die ihr unter folgendem Link (bitte anklicken) findet.

Technisch
Wir alle kennen, dass der Speicherplatz auf dem Smartphone schnell knapp wird, wenn Freunde, Bekannte und Familie einem über WhatsApp an jedem Augenblick des Urlaubs teilhaben lassen möchten. Damit ihr euch während des Drehs nicht mit auftretender Speicherplatz-Knappheit herumschlagen müsst, solltet ihr vor dem Dreh darauf achten, dass genügend freier Speicher auf dem Gerät vorhanden ist. Der Einzug des Smartphones in den Alltag der Menschen hat auch dazu geführt, dass immer mehr Bewegbild-Content im Hochformat konsumiert wird. Solltet ihr zum Beispiel einen Beitrag für eine Instagram-Story erstellen, ergibt es durchaus Sinn, das Video auch im Hochformat zu drehen, um den/die Zuschauer*in mit seinen/ihren Gewohnheiten auf der jeweiligen Plattform abzuholen. In der Regel solltet ihr jedoch eure Videos stets im Querformat drehen, damit beim Anschauen auf einem großen Bildschirm links und rechts keine unschönen Balken zu sehen sind.

Tipp 2: Dynamik & Stabilität

Ein stark verwackeltes oder unruhiges Bild kann bei Zuschauer*innen schnell zu Kopfschmerzen führen. Vermeidet während des Drehens schnelle Kamerabewegungen und den Einsatz des Zooms. Wollt ihr euer Motiv größer ins Bild setzen, verringert den Abstand zum Motiv. Ihr könnt dazu (für eine sogenannte Kamerafahrt) einen Bürostuhl oder einen Selfiestick einsetzen. Um insgesamt ruhigere Szenen drehen zu können, ist der Einsatz eines Stativs oder Rigs absolut empfehlenswert. Wer aus der Hand drehen will, erhält ruhigere Aufnahmen, wenn er/sie einen (eingefahrenen) Selfiestick einsetzt oder auf einen handelsüblichen Gimbal (kardanische Aufhängung / Lagerung als Bildstabilisator) setzt.

Hilfe, ich habe das Stativ vergessen!
Es muss mal wieder schnell gehen. Ihr habt nur die eine Chance, das Interview oder Gespräch aufzuzeichnen. Ihr habt an alles gedacht, doch dann fällt euch auf: Ihr habt das Stativ vergessen! Bevor ihr nun versuchet, das Handy über einen längeren Zeitraum selbst zu halten, lauft ihr Gefahr, dass die Aufnahmen verwackeln. Bitte probiert auch nicht, das Handy irgendwo auszubalancieren oder anzulehnen. Tipp: Sucht nach einer Flasche und einem Haushaltsgummi. Befestigt nun das Handy mithilfe des Gummis am Flaschenhals und stellt das Ganze vor euch auf einen Tisch. Problem gelöst! Ihr könnt euch nun ganz entspannt dem Interview widmen!

Tipp: Nutzt die Selfiekamera. So könnt ihr stets überprüfen, ob Bildausschnitt und Winkel passen. Bewegte Aufnahmen sehen einfach besser aus!

Zeitraffer
Zeitraffer sind spannende Filmsequenzen, die einen sehr lang andauernden Prozess z. B. Bauarbeiten, Sonnenuntergänge oder Tagesveranstaltungen in Kürze zeigen. Der/Die Zuschauer*in bekommt mithilfe des Zeitraffers einen guten Gesamtüberblick. Noch spannender kann das Ganze mit einer haushaltsüblichen Eieruhr werden: Die Eieruhr auf eine Stunde aufziehen, das Handy auf dieser befestigen und die Aufnahme starten. Je nach Bauart dreht die Eieruhr das Handy nun innerhalb einer Stunde zwischen 180 und 360 Grad. Beschleunigt man das einstündige Video dann auf das 100-fache, hat man einen spannenden und bewegten Zeitraffer. Diese Aufnahmen werden eure Zuschauer*innen zum Staunen bringen! Tipp: Vergewissert euch, dass ihr vor Beginn der Aufnahme genug Speicherplatz auf dem Handy haben und die Konstruktion an einem wind- und wackelsicheren Ort steht. Nur so gelingt euch eine störungsfreie Aufnahme.

Tipp 3: Aufs Licht kommt es an

Beleuchtung ist das A und O. Aufgrund ihrer kleinen Bauweise sind Smartphone-Kameras nicht besonders lichtempfindlich. Das hat zur Folge, dass Fotos und Videos, welche bei schlechtem Licht entstehen, stark anfangen zu rauschen. Um das zu umgehen, solltet ihr möglichst viel Licht an den Ort des Geschehens lassen. Manchmal reicht es schon die Vorhänge aufzuziehen oder die Zimmerbeleuchtung anzuschalten. Wer das ein wenig professioneller betreiben möchte, achtet bei seiner Ausleuchtung auf die Regeln der 3-Punkt-Beleuchtung. Bei der 3-Punkt-Beleuchtung handelt es sich – wie der Name bereits vermuten lässt – um die Methode zur Beleuchtung einer Person mit exakt drei Lichtquellen. Die Methode beschreibt dabei die Parameter, die beim Aufstellen und Einrichten der Lichtquellen zu beachten sind, um die Person in ein gleichmäßiges Licht zu setzen, ohne dabei störende Schatten zu erzeugen. Wer etwas Geld in die Hand nehmen möchte, kann hierzu günstige LED-Videolichter nutzen. Diese gibt es in jedem Elektronikfachgeschäft oder online ab rund 40 € zu kaufen.

  • Das Führungslicht ist das hellste Licht im Set-up.
  • Das Fülllicht leuchtet die Schatten, die durch das Führungslicht entstehen, aus. Es ist nur ein Bruchteil so hell, wie das Führungslicht.
  • Das Spitzlicht steht hinter dem/der Interviewpartner*in und gibt ihm/ihr einen Schimmer auf Schulter und Hinterkopf. Durch die entstehende Kontur hebt er/sie sich besser vom Hintergrund ab.

Die Regeln der 3-Punkt-Ausleuchtung können aber auch mit Dingen des Alltags umgesetzt werden. Gebraucht werden: Fenster, durch welches Tageslicht einfällt, Klebeband, Kleiderständer, Steh- oder Bürolampe und Alufolie. In diesem Video wird Schritt für Schritt erklärt, wie man eine alternative 3-Punkt-Beleuchtung umsetzt: www.youtube.com/watch?v=UvYz_DCfJkk

Tipp 4: Der gute Ton

Genauso wichtig wie ein gutes Bild ist der Ton. Handymikrofone nehmen in der Regel nur Geräusche in angemessener Qualität auf, welche sich unmittelbar vor dem Mikrofon befinden (wie bspw. der Mund bei einem Telefonat). Wer Videos mit dem Handy drehen möchte, sollte daher auf externe Mikrofone setzten. Diese werden einfach über den Kopfhöreranschluss mit dem Handy verbunden. Online oder in Elektronikfachgeschäften kann man bereits ab 30 € günstige Modelle erwerben. Tipp: Als kostengünstige Alternative können auch günstige Kopfhörer mit Headsetfunktion oder Bluetooth-Headsets ihren Dienst tun. Diese können bei Bedarf einfach in der Hemdtasche oder der Innentasche einer Jacke versteckt werden.

Tipp 5: Die Apps der Profis

Erweiterte Kamera-App
Viele Smartphones sind bereits mit sehr guten Foto-Apps ausgestattet. Alternative Kamera-Apps bieten aber teils neue Funktionen und fortschrittliche Einstellungsoptionen. Wichtig ist: Wir wollen die volle Kontrolle über die Kamera haben, aber die meisten Funktionen unserer Smartphone-Kamera bleiben uns verborgen, da die Standard-Apps mit Automatiken arbeiten. Apps wie „FilMiC Pro“ und „Open Camera“ bieten den vollen Funktionsumfang in Bezug auf den Weißabgleich, die Blende, Belichtungszeit und ISO. Wer sich mit diesen Faktoren und Einstellungen auseinandersetzt, wird noch einmal eine deutliche Verbesserung seiner/ihrer Aufnahmen erzielen können.

Schnitt-App
Alle Szenen sind im Kasten. Was nun? Einfach so hochladen? Wer seinen Film nachträglich schneiden und die Aufnahmen mit Übergängen, Musikuntermalung und Texteinblendungen verschönern möchte, sollte auf Apps wie „InShot“ setzten. Sie bieten einem die Möglichkeit mehrere gedrehte Filmsequenzen mit Bildern und Musik zusammenzufügen und mit Untertiteln, Grafiken oder Bauchbinden zu versehenen. Ein Must-Have für jede/n Social-Media Redakteur*in.

Dieser Beitrag wurde im Auftrag der Technologiestiftung Berlin von Steven Siebert (Digital-Agentur MOVACT) verfasst.

Stand 04/2019 Anmerkungen und Rückfragen gerne an kultur@technologiestiftung-berlin.de