Instagram Leitfaden

23. April 2019

Liebe Kulturschaffende,

ich bin Jolanta Paliszewska, seit vier Jahren bei Instagram als @vispalberlin aktiv und poste regelmäßig Bilder aus und über Berlin. Ich schieße Bilder aus allen Ecken der Stadt und sehe täglich interessante Fotos vor meinen Augen entstehen. Jedes Mal aufs Neue bin ich beeindruckt von Berlin.

In diesem kurzen Instagram Leitfaden zeige ich Euch anhand von ein paar Tipps, welche Vorteile es bringt, die Social Media Plattform aktiv zu nutzen und wie man dem eigenen Account mehr Reichweite und Interaktion verschaffen kann.


Derzeit zeigt sich, dass mehr und mehr Kulturschaffende auf Instagram aktiv sind, da hiermit eine meist recht junge Zielgruppe angesprochen werden kann.
Warum es sinnvoll ist, Instagram als Kommunikations-Kanal zu nutzen, lässt sich bereits anhand der Nutzer*innenzahl erkennen: in Deutschland sind monatlich mehr als 32 Millionen Nutzer*innen aktiv.

Quelle: Allfacebook.de der Rising Media Ltd. (Stand: November 2018)

Grundsätzlich geht es uns heute um die Optimierung Eures eigenen Profils. Instagram ist eine Community und bietet u.a. hiesigen Kulturschaffenden eine Plattform, um sich mit Tourist*innen aus aller Welt und Berliner Bürger*innen durch meist visuelle Beiträge zu vernetzen.

Habt Ihr beispielsweise als Kultureinrichtung eine Sonderausstellung oder Veranstaltung geplant, geht es darum, die Zielgruppe darüber zu informieren und ggf. sogar in Eure Einrichtung zu locken.

Instagram bietet hierbei die Möglichkeit sowohl Fotos, Bilder, Videos als auch einzelne Werke bspw. einer Ausstellung mit den dazugehörigen Informationen zu posten. All das lässt sich schnell verbreiten und erreicht tagtäglich 23 Millionen Nutzer*innen.

Die Nutzer*innen scrollen dabei schnell durch den Feed und sehen Fotos und Videos. Teilweise tun sie das nur einige Sekunden lang. Es geht also darum, die Reichweite und Sichtbarkeit Eurer Beiträge zu erhöhen. Nutzer*innen scrollen nicht nur, sie können auch nach einem bestimmten Hashtag suchen oder mit Hilfe der aktuellen Ortung sehen, was es in der Umgebung zu entdecken gibt.

Zuständigkeit

Die Qualität des Beitrags ist ein wichtiger Aspekt. Es empfiehlt sich die Zuständigkeit für den Instagram-Account nur an ein bis zwei Personen zu vergeben, die längerfristig hieran arbeiten können. Es ist hilfreich, wenn diese/r Mitarbeiter*in, bereits ein privates Instagram-Profil besitzt und sich mit der Plattform auskennt. Sollte das nicht der Fall sein, kann man die Funktionen von Instagram allerdings auch schnell erlernen, wie sich anhand dieses Leitfadens erschließen lässt. Generell ist Instagram sehr intuitiv aufgebaut.

Sind die Verantwortlichkeiten klar, solltet Ihr den regelmäßigen Zeitaufwand festlegen. Jede Kultureinrichtung hat begrenzte Ressourcen! Stellt Euch folgende Fragen:

  • Umfang: Wie viele Beiträge pro Woche sind realistisch?
  • Art: Nutze ich verfügbaren Content z.B. von Facebook und wandle den ab oder mache ich bewusst ganz was anderes als meine üblich Kommunikation?
  • Gestaltung: Wie aufwendig ist die Bearbeitung meiner Bilder und Videos, damit sie meinem Stil gerecht werden?

Daraus entwickelt sich eine „realistische Idee“ von Eurem Kanal, den Prozessen und Zielen dahinter. So könnt Ihr verhindern Euch zu übernehmen oder nach einem anfänglichen Motivationshoch in ein Loch zu fallen, weil Eure Erwartungen nicht definiert wurden.

Wichtig hierbei ist die Dokumentation. Selbst wenn Ihr alleine arbeitet, ist es sinnvoll, festzuhalten, welche realistische Idee Euer Kanal hat und welche Arbeitsschritte daraus folgen. Selbst wenn Ihr einfach nur festlegt, welche Filter Ihr verwendet, kann dies Eurem Kanal den nötigen „roten Faden“ geben. Je mehr Gehirnschmalz Ihr vor dem ersten Beitrag investiert, desto leichter ist für Euch die Implementierung in den Alltag. Seid aber nicht zu ängstlich, etwas auszuprobieren. Bereits angefangene rote Fäden können auch wieder verworfen werden.

Feed

Der „Feed“, die eigene Startseite bei Instagram, besteht aus sämtlichen Neuigkeiten von Personen/Institutionen, denen Ihr folgt. Dort werden untereinander sowohl Momentaufnahmen, Bilder oder Videos als auch dauerhafte Inhalte angezeigt. Der Feed ist bei jedem/r User*in individuell gestaltet – es gibt keinen Feed zwei Mal – da man verschiedenen Profilen folgt und diese Startseite somit auf die eigenen Interessen zugeschnitten ist. Um mit den eigenen Inhalten im Feed der Follower zu erscheinen, erstellt man mit seinem Account sogenannte „Posts“. Man kann nur ein Bild oder auch gebündelt mehrere Bilder und Videos, die wiederum ein Titelbild haben, in einem Post veröffentlichen. Grundlegend besteht Instagram aus dem Instagram Feed, wie er eben beschrieben wurde, und aus dem Instagram Stories Feed, zu dem wir noch kommen werden.

Für den dauerhaft sichtbaren Feed empfehle ich qualitativ hochwertige Bilder zu verwenden. Als Richtlinie empfehle ich pro Tag nur maximal ein oder zwei Bilder zu veröffentlichen, um die Nutzer*innen mit dieser Informationsflut  nicht zu überfordern bzw. sie im schlimmsten Fall zu langweilen oder gar zu nerven. Des Weiteren sollte sich der Feed inhaltlich nicht zu häufig wiederholen. Die Nutzer*innen möchten einen Mehrwert daraus haben, wenn sie Euch folgen und nicht immer dasselbe sehen, lesen oder hören.

Bilder bearbeiten

Wichtig für die Qualität Eures Instagram-Profils können gut bearbeitete Bilder sein. Es gibt unzählige Apps zum Bearbeiten von Fotos. Die meisten bieten Funktionen wie Zuschneiden, Schärfen, Sättigung, Lichtfarbe, vertikale/horizontale Perspektive u.v.m. an. Als Beispiel wähle ich für diesen Leitfaden die VSCO-App, da ich sie selbst häufig verwende und sie diverse Möglichkeiten zum Bearbeiten mit Filtern anbietet. Mit Hilfe der VSCO-Filter lassen sich mit wenigen Klicks die Bilder verschönern, z.B. durch etwas mehr Schärfe und das richtige Zuschneiden, um das Bild so realistisch wie möglich aussehen zu lassen. Die Bearbeitung ist abhängig von der jeweiligen Kultureinrichtung, da jede einen eigenen Stil hat und eine andere Zielgruppe anspricht. Aus der VSCO-App lassen sich die Aufnahmen direkt in einem Album auf dem Smartphone speichern oder man kann sie direkt auf Instagram, Facebook etc. teilen. Natürlich gibt es noch viele weitere Apps wie bspw. Snapseed, Canva, Enhance, Layout oder Afterlight oder die Möglichkeit, Bilder über Instagram selbst zu bearbeiten. Auch gibt es mittlerweile auf Videobearbeitung spezialisierte Apps, wie Splice, Cut Story oder Cinemagraph.

Ich möchte Euch kurz anhand des unten stehenden Beispiels zeigen, welchen Unterschied die Bildbearbeitung machen kann:

Durch Anpassung der Perspektive können die Kanten des Gebäudes mit Hilfe einer Linie begradigt oder korrigiert werden, so dass es ästhetischer aussieht.

Folgt hierbei in der Farb- und Filterwahl einem roten Faden. Entscheidet Euch für einen Stil oder eine bestimmte Struktur. Dabei sollte man sich, wie bereits erwähnt, vorab ein Konzept überlegen, bevor Videos oder Bilder im Feed oder den Stories gepostet werden. Allgemein kann man sich diese fünf Themen merken, um mehr Reichweite und Interaktion zu generieren.

Vorplanen

Für eine Kultureinrichtung mit festen Terminen (Vorstellungen, Eröffnungen etc.) kann ich empfehlen, ein entsprechendes Planungstool zu benutzen. Das ist praktisch aus vielerlei Hinsicht: Ihr seid im Urlaub oder es stehen Feiertage an? – vorplanen. Eure Follower sind morgens in der Bahn am Handy, Ihr aber im Stau auf der Avus? – vorplanen. Ihr macht eine Kampagne und wollt die Übersicht behalten? – vorplanen. Ihr habt eine Ausstellungseröffnung und keine Zeit am Handy zu hängen? – teilweise vorplanen; dann braucht Ihr nur passende Bilder und Videos zu erstellen.

Zum Beispiel ermöglicht die Webanwendung „Later“ mobiles Arbeiten und „holt“ zugleich Instagram, was anders als Facebook lediglich eine App für mobile Geräte ist, auf den PC oder Laptop. Wenn Ihr es gewohnt seid, an einem Büroarbeitsplatz zu arbeiten, kann das sehr angenehm sein, denn Ihr könnt Texte und Bilder wie gewohnt erstellen, ohne auf die kleinen mobilen Geräte angewiesen zu sein.

Stories

Die „Stories“ sind eine Funktion auf Instagram, mit der sich Inhalte verbreiten lassen, die meistens nur für 24 Stunden sichtbar sind und in der obersten Leiste aller Nutzer*innen erscheinen.

Bei der Erstellung der Stories ist Kreativität gefragt. An dieser Stelle können die Inhalte gerne auch lustig gestaltet werden. Die Stories können dazu genutzt werden, um über einen neuen Beitrag im eigenen Feed zu informieren.

Mit Hilfe der Stories werden Inhalte also kurz und knapp veröffentlicht, um auf sich aufmerksam zu machen. Auch hier können Hashtags, GIFs oder Bilder/Fotos und Videos platziert werden, um die Reichweite zu erhöhen. Es gibt auch die „Video Live“ Funktion. Mit dieser können Nutzer*innen sofort erreicht werden. Solche Live-Situationen eignen sich besonders, um den Nutzer*innen bspw. etwas Persönliches zu erzählen oder einen spannenden Einblick in aktuelle Geschehnisse zu verschaffen.

Wenn Ihr während eines Videos etwas sagt, ist es besonders wichtig, dass Ihr bitte auch einen kurzen Kommentar zum Video schreibt, damit taube bzw. schwerhörige Menschen verstehen können, was Ihr ihnen mitteilen möchtet.

Innerhalb der Instagram-Stories stehen weitere nützliche Features bereit. Neben den üblichen Hashtags, GIFs, Bildern/Fotos und Videos kann außerdem eine Umfrage platziert werden. Erscheint eine Umfrage, kann der/die Nutzer*in mit einem einfachen Klick die Frage beantworten. Die Ergebnisse der Abstimmung werden sowohl für die Nutzer*innen als auch für den/die Administrator*in des Instagram-Accounts sichtbar. Eine tolle Möglichkeit, um mit den Followern noch mehr zu interagieren.

In die Story sollten unbedingt auch Links eingebettet werden, um die Nutzer*innen zu einer Webseite zu leiten. Leider ist das wichtige Feature derzeit scheinbar erst ab einer gewissen Kanalgröße verfügbar, was ein klarer Wettbewerbsnachteil für kleinere Kanäle ist, weil ihnen die Möglichkeit fehlt, die eigene Website zu unterstützen. Des Weiteren ist allerdings die Verlinkung eines anderen Instagram-Profils, beispielsweise einer Person, z.B. eines Künstlers/einer Künstlerin, mit @Name möglich.

Damit die Inhalte nicht nach 24 Stunden verschwinden, kann man sie dauerhaft sichtbar machen. Dafür muss diese Story unter einer neuen Gruppe in den „Highlights“ in Eurem Profil gespeichert werden.

Die Titelbilder der jeweiligen Highlights lassen sich außerdem noch gestalten. Für das Layout können bspw. Corporate Identity, Bilder und Icons verwendet werden.

Hier ist ein Story-Beispiel von kulturBdigital:

Hashtags

Die richtige Verwendung der Hashtags spielt eine wichtige Rolle, um die Teilhabe zu erhöhen und Interaktionen auf dem eigenen Account zu generieren. Mit Hilfe von Hashtags lassen sich Fotos und Beiträge kategorisieren. Hierbei könnt Ihr selbst entscheiden, mit welchen Inhalten Ihr Eure Nutzer*innen gezielt ansprechen möchtet.

Die populärsten Hashtags für Berlin sind z.B.:

Neben der allgemeinen Popularität solltet Ihr auch die Relevanz für Eure Zielgruppe als Kriterium heranziehen. Um die Sichtbarkeit Eurer Foto- oder Video-Posts auf Instagram zu erhöhen, empfiehlt es sich, vorab zu recherchieren, welche Hashtags benutzt werden sollten, um die richtige Zielgruppe für die perfekte Reichweite zu finden. Dienste, wie Hashtagify.me, helfen Euch dabei Popularität und Relevanz einzuschätzen. Es kann sich für Euch lohnen, wenn Ihr Euch eine für Eure Kultureinrichtung, Veranstaltungen oder Kampagne kleine, immer verfügbare Liste an Hashtags anfertigt. Durch das Kopieren vermeidet Ihr zusätzlich Rechtschreibfehler im Hashtag. Ich empfehle eher wenige, ausgewählte, sich von Beitrag zu Beitrag abwechselnde Hashtags zu benutzen. Es ist aber für neue oder kleinere Kanäle ratsam, bis zur maximalen Grenze von 20 Hashtags pro Beitrag zu gehen, um die größtmögliche Reichweite und damit Wachstum zu erzielen. Größere Kanäle können es sich zugunsten der Ästhetik leisten, weniger Hashtags zu benutzen.

Eine weitere Möglichkeit ist es, eigene Hashtags für Eure Kultureinrichtungen bzw. -angebote zu erstellen und anschließend zu verbreiten. Die Berlinische Galerie hat beispielsweise einen eigenen Hashtag für ihre Einrichtung (#berlinischegalerie) und für die „Markierung Glaslager“, also das gelb-schwarze Buchstabenfeld vor dem Museum. Unter dem Hashtag #theselettersagain werden somit viele Bilder des Museumsvorplatzes bei Instagram durch Museumsmitarbeiter*innen und Besucher*innen gepostet und verbreiten sich online durch die Besucher*innen.

Beispiele

Der einheitliche Stil der Bilder der Technologiestiftung Berlin @technologiestiftung kann Euch als Beispiel dienen, wie man seinen Feed individuell gestaltet und so seine Wiedererkennung steigert.

Ein paar Beispiellinks zu Instagram Accounts von deutschen und internationalen Kultureinrichtungen möchte ich Euch auch noch mit auf den Weg geben:

Vielleicht konnte ich Euch durch meinen Leitfaden den ein oder anderen Tipp geben und Euch dazu inspirieren, ein wenig Zeit mit der Optimierung des eigenen Instagram Accounts zu verbringen bzw. überhaupt erst einen Instagram Account zu erstellen.

Ich hoffe, dass klar geworden ist, welch niederschwelliger Zugang zu Euren Inhalten durch Instagram möglich sein kann.