Informatives

Mit dem Projekt „kulturBdigital“ möchten wir ein Forum und eine „Werkstatt“ bieten, Praxiswissen vermitteln, ausprobieren, Hemmschwellen abbauen und sparten- und einrichtungsübergreifend Kulturakteure befähigen, Digitales in der täglichen Arbeit mitzudenken.

Culture meets Coder

8. Mai 2019

Wie kommen Kulturschaffende und Digitalisierungs-Expert*innen zusammen?

Fünf ausgewählte Kulturschaffende stellen ihre digitalen Herzensprojekte zur Lösung von Herausforderungen in der täglichen Anwendung vor. Für eine erste Ideenentwicklung und anschließende Umsetzung suchen wir interessierte Techies, Coder, Entwickler*innen, Developer*innen, Datenvisualisierer*innen, Interfacedesigner*innen, Produktdesigner*innen, UX/UI-Designer*innen & Co – kurz: Designer*- und Entwickler*innen.

  • Wie können Kultureinrichtungen mit digitalen Anwendungen neue Zielgruppen erreichen und gewinnen?
  • Wie können Kulturschaffende mit digitalen Anwendungen ihre Arbeitsprozesse effizienter gestalten?
  • Wie kann ein bezirklicher Kunstverleih digitalisiert und bekannter werden?
  • Wie kann ein Jugendtheaterstück für die digitale und künstlerische Bildung im Unterricht weiterentwickelt werden?
  • Wie kann die Einbindung des Publikums nach Theateraufführungen innovativ und zugänglicher erfolgen?
  • Welche Ideen für Open Source Lösungen gibt es, die Kulturschaffende für ihre tägliche Arbeit einsetzen können?

Fragen über Fragen und großes Interesse, von Seiten der Kulturschaffenden, Kontakt zu Designer*- und Entwickler*innen mit guten Ideen und Lust an der Umsetzung von digitalen Herausforderungen zu bekommen.

Wir möchten beispielhaft und spartenübergreifend zeigen, wie auch andere Kulturakteure digitale Werkzeuge in der täglichen Arbeit einsetzen können.

Interesse?

Wir freuen uns über interessierte Coder zur Ideenentwicklung und anschließenden Umsetzung, für die das kulturBdigital Lab bis zu 10.000 Euro zur Verfügung stellt.

Seid ihr an der Umsetzung eines der folgenden Projekte interessiert, könnt ihr Euch gerne unter kultur@technologiestiftung-berlin.de an uns wenden.

Bitte beachtet: Eure Vorschläge sollten zwar so konkret sein, dass erkennbar ist, wie eine Zusammenarbeit und ein Ergebnis aussehen kann. Ein Anspruch auf Umsetzung ist damit aber ebenso wenig verbunden, wie ein Vergütungsanspruch oder eine Geheimhaltungspflicht. Solltet ihr der Auffassung sein, dass Eure Idee schutzwürdiges geistiges Eigentum enthält, das ihr nicht in diesem Rahmen teilen wollt, könnt ihr an diesem Verfahren nicht teilnehmen.

 

Projektideen:

Figurentheater Grashüpfer
Name des Projekts: Analoge Reservierungen digitalisieren
Problemstellung: Datenpool für Bestellungen, Platzreservierung, digitale Abrechnung, Optimierung des Buchhaltungssystems.
Ansprechpartnerin: Caroline Gutheil

Eine ausführliche Projektbeschreibung findet ihr hier (bitte anklicken).

Berliner Ensemble
Name des Projekts: Publikumsgespräche für alle
Problemstellung: Publikumsgespräche zu Theatervorstellungen mit Fragen vom Publikum an Schauspieler*innen und Darsteller*innen sollen demokratisiert werden und zugänglicher werden.
Ansprechpartnerin: Dr. Geraldine Blomberg

Eine ausführliche Projektbeschreibung findet ihr hier (bitte anklicken).

Atze Musiktheater gGmbH
Name des Projekts: Digital Heroes
Problemstellung: Kommunikationstool, Vernetzungstool, Vermittlung künstlerischer Inhalte, interaktive Spielwiese.
Ansprechpartner: Klaus Fermor

Eine ausführliche Projektbeschreibung findet ihr hier (bitte anklicken).

Bezirksamt Lichtenberg, FB Kunst und Kultur / Galerie 100
Name des Projekts: „Hol‘ Dir die Kunst ins Haus“ – Digitalisierungsprojekt Kunstverleih Lichtenberg
Problemstellung: Vereinfachung und Zugänglichkeit für die Nutzung des Kunstverleihs.
Ansprechpartnerin: Almut Koch

Eine ausführliche Projektbeschreibung findet ihr hier (bitte anklicken).

Kulturhaus Spandau
Name des Projekts: Innovative Wege führen nach Spandau: Alte Musik sucht neue Gäste
Problemstellung: Erschließung neuer Zielgruppen durch Erweiterung der Kommunikationskanäle.
Ansprechpartnerin: Britta Richter

Eine ausführliche Projektbeschreibung findet ihr hier (bitte anklicken).

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Das Smartphone wird zur Filmkamera?

26. April 2019

Mit diesen einfachen Tricks werden eure Handyaufnahmen filmreif!

Für die Kommunikation von Unternehmen und Organisationen sollte das Medium Bewegtbild eine essentielle Rolle spielen. Nutzer*innen konsumieren Inhalte gerne in passiver Form. Hier eigenen sich Videos besonders gut, z.B. um Veranstaltungen vorzustellen und zu erklären, Fragen zu beantworten oder zusätzliche Informationen bereitzustellen.

Doch die Produktion von Videos ist teuer und die sozialen Netzwerke sind schnelllebig. Wie kann also das Kosten-Effekt-Dilemma gelöst werden?

Dazu muss man an erster Stelle verstehen, warum Film- und Videoproduktionen, durchgeführt von Produktionsfirmen, so kostspielig sind. Neben der kreativen Leistung und dem benötigten Personal, wie Kameraleuten, Tonassistent*innen und Redakteur*innen, spielt die technische Ausrüstung eine große Rolle bei der Kostenkalkulation.

Doch ist das immer notwendig? Ein kurzes Interview mit einem/einer Künstler*in für Instagram, ein kleiner Trailer für bevorstehende Veranstaltungen auf Facebook oder eine Veranstaltungszusammenfassung als Bewegtbild für den E-Mail-Verteiler kann man durchaus selbst produzieren.

Das Wichtigste dafür haben die meisten von uns täglich in Benutzung – das eigene Handy. Smartphone-Kameras sind in den vergangenen Jahren immer besser geworden. So gibt es inzwischen gleich mehrere Smartphones, die Videos sogar in 4K-Qualität aufnehmen können. Außerdem ist das Mobiltelefon immer gleich zur Hand, wenn sich überraschende Momente für ein Video vor der Linse präsentieren. Mit einem Smartphone und dem richtigen Zubehör gelingen filmreife Aufnahmen im Handumdrehen. Wer sich nach dem Dreh nicht über verwackelte und verpixelte Aufnahmen oder zu schlechtem Ton ärgern möchte, sollte folgende Tipps beachten.

Beim Filmen auf das eigene Handy zu setzen, hat auch organisatorische Vorteile! Die sozialen Netzwerke sind schnell! Wenn ihr also eure Zielgruppe auf Facebook, Instagram, Twitter und YouTube erreichen wollt, solltet ihr gewisse Momente mit dem Handy festhalten, bearbeiten und gleich hochladen. Das sind Abläufe, die ihr so mit klassischen Kameras und Produktionsabläufen nicht habt.

Tipp 1: Vorbereitung

Inhaltlich
Natürlich muss niemand zum Drehbuchautor werden, wenn er/sie gelegentlich mal ein paar Momente mit seiner/ihrer Smartphone-Kamera festhalten will. Doch sollte sich jede/r, der/die ein spannendes Event-, Interview- oder Ankündigungsvideo drehen will, vorher genau überlegen, welche Szenen eingefangen werden sollten. Möglicherweise lohnt es sich, schon im Vorfeld zur Kamera zu greifen und ein paar Szenen aufzunehmen, die dann später zum Film – in einer Art Rückblende – hinzugeschnitten werden. Außerdem könnt ihr euch bei den Vorbereitungen schon überlegen, ob ihr möglicherweise auch Zubehör wie beispielsweise ein Stativ oder eine Zusatzlinse für einen etwas anderen Blickwinkel beim Dreh benötigt. Darüber hinaus sollte man sich Gedanken zum Thema Bild-, Musik- und Veröffentlichungsrechte machen. Genauere Informationen dazu könnt ihr der Hilfestellung für die Realisation von Videoprojekten entnehmen, die ihr unter folgendem Link (bitte anklicken) findet.

Technisch
Wir alle kennen, dass der Speicherplatz auf dem Smartphone schnell knapp wird, wenn Freunde, Bekannte und Familie einem über WhatsApp an jedem Augenblick des Urlaubs teilhaben lassen möchten. Damit ihr euch während des Drehs nicht mit auftretender Speicherplatz-Knappheit herumschlagen müsst, solltet ihr vor dem Dreh darauf achten, dass genügend freier Speicher auf dem Gerät vorhanden ist. Der Einzug des Smartphones in den Alltag der Menschen hat auch dazu geführt, dass immer mehr Bewegbild-Content im Hochformat konsumiert wird. Solltet ihr zum Beispiel einen Beitrag für eine Instagram-Story erstellen, ergibt es durchaus Sinn, das Video auch im Hochformat zu drehen, um den/die Zuschauer*in mit seinen/ihren Gewohnheiten auf der jeweiligen Plattform abzuholen. In der Regel solltet ihr jedoch eure Videos stets im Querformat drehen, damit beim Anschauen auf einem großen Bildschirm links und rechts keine unschönen Balken zu sehen sind.

Tipp 2: Dynamik & Stabilität

Ein stark verwackeltes oder unruhiges Bild kann bei Zuschauer*innen schnell zu Kopfschmerzen führen. Vermeidet während des Drehens schnelle Kamerabewegungen und den Einsatz des Zooms. Wollt ihr euer Motiv größer ins Bild setzen, verringert den Abstand zum Motiv. Ihr könnt dazu (für eine sogenannte Kamerafahrt) einen Bürostuhl oder einen Selfiestick einsetzen. Um insgesamt ruhigere Szenen drehen zu können, ist der Einsatz eines Stativs oder Rigs absolut empfehlenswert. Wer aus der Hand drehen will, erhält ruhigere Aufnahmen, wenn er/sie einen (eingefahrenen) Selfiestick einsetzt oder auf einen handelsüblichen Gimbal (kardanische Aufhängung / Lagerung als Bildstabilisator) setzt.

Hilfe, ich habe das Stativ vergessen!
Es muss mal wieder schnell gehen. Ihr habt nur die eine Chance, das Interview oder Gespräch aufzuzeichnen. Ihr habt an alles gedacht, doch dann fällt euch auf: Ihr habt das Stativ vergessen! Bevor ihr nun versuchet, das Handy über einen längeren Zeitraum selbst zu halten, lauft ihr Gefahr, dass die Aufnahmen verwackeln. Bitte probiert auch nicht, das Handy irgendwo auszubalancieren oder anzulehnen. Tipp: Sucht nach einer Flasche und einem Haushaltsgummi. Befestigt nun das Handy mithilfe des Gummis am Flaschenhals und stellt das Ganze vor euch auf einen Tisch. Problem gelöst! Ihr könnt euch nun ganz entspannt dem Interview widmen!

Tipp: Nutzt die Selfiekamera. So könnt ihr stets überprüfen, ob Bildausschnitt und Winkel passen. Bewegte Aufnahmen sehen einfach besser aus!

Zeitraffer
Zeitraffer sind spannende Filmsequenzen, die einen sehr lang andauernden Prozess z. B. Bauarbeiten, Sonnenuntergänge oder Tagesveranstaltungen in Kürze zeigen. Der/Die Zuschauer*in bekommt mithilfe des Zeitraffers einen guten Gesamtüberblick. Noch spannender kann das Ganze mit einer haushaltsüblichen Eieruhr werden: Die Eieruhr auf eine Stunde aufziehen, das Handy auf dieser befestigen und die Aufnahme starten. Je nach Bauart dreht die Eieruhr das Handy nun innerhalb einer Stunde zwischen 180 und 360 Grad. Beschleunigt man das einstündige Video dann auf das 100-fache, hat man einen spannenden und bewegten Zeitraffer. Diese Aufnahmen werden eure Zuschauer*innen zum Staunen bringen! Tipp: Vergewissert euch, dass ihr vor Beginn der Aufnahme genug Speicherplatz auf dem Handy haben und die Konstruktion an einem wind- und wackelsicheren Ort steht. Nur so gelingt euch eine störungsfreie Aufnahme.

Tipp 3: Aufs Licht kommt es an

Beleuchtung ist das A und O. Aufgrund ihrer kleinen Bauweise sind Smartphone-Kameras nicht besonders lichtempfindlich. Das hat zur Folge, dass Fotos und Videos, welche bei schlechtem Licht entstehen, stark anfangen zu rauschen. Um das zu umgehen, solltet ihr möglichst viel Licht an den Ort des Geschehens lassen. Manchmal reicht es schon die Vorhänge aufzuziehen oder die Zimmerbeleuchtung anzuschalten. Wer das ein wenig professioneller betreiben möchte, achtet bei seiner Ausleuchtung auf die Regeln der 3-Punkt-Beleuchtung. Bei der 3-Punkt-Beleuchtung handelt es sich – wie der Name bereits vermuten lässt – um die Methode zur Beleuchtung einer Person mit exakt drei Lichtquellen. Die Methode beschreibt dabei die Parameter, die beim Aufstellen und Einrichten der Lichtquellen zu beachten sind, um die Person in ein gleichmäßiges Licht zu setzen, ohne dabei störende Schatten zu erzeugen. Wer etwas Geld in die Hand nehmen möchte, kann hierzu günstige LED-Videolichter nutzen. Diese gibt es in jedem Elektronikfachgeschäft oder online ab rund 40 € zu kaufen.

  • Das Führungslicht ist das hellste Licht im Set-up.
  • Das Fülllicht leuchtet die Schatten, die durch das Führungslicht entstehen, aus. Es ist nur ein Bruchteil so hell, wie das Führungslicht.
  • Das Spitzlicht steht hinter dem/der Interviewpartner*in und gibt ihm/ihr einen Schimmer auf Schulter und Hinterkopf. Durch die entstehende Kontur hebt er/sie sich besser vom Hintergrund ab.

Die Regeln der 3-Punkt-Ausleuchtung können aber auch mit Dingen des Alltags umgesetzt werden. Gebraucht werden: Fenster, durch welches Tageslicht einfällt, Klebeband, Kleiderständer, Steh- oder Bürolampe und Alufolie. In diesem Video wird Schritt für Schritt erklärt, wie man eine alternative 3-Punkt-Beleuchtung umsetzt: www.youtube.com/watch?v=UvYz_DCfJkk

Tipp 4: Der gute Ton

Genauso wichtig wie ein gutes Bild ist der Ton. Handymikrofone nehmen in der Regel nur Geräusche in angemessener Qualität auf, welche sich unmittelbar vor dem Mikrofon befinden (wie bspw. der Mund bei einem Telefonat). Wer Videos mit dem Handy drehen möchte, sollte daher auf externe Mikrofone setzten. Diese werden einfach über den Kopfhöreranschluss mit dem Handy verbunden. Online oder in Elektronikfachgeschäften kann man bereits ab 30 € günstige Modelle erwerben. Tipp: Als kostengünstige Alternative können auch günstige Kopfhörer mit Headsetfunktion oder Bluetooth-Headsets ihren Dienst tun. Diese können bei Bedarf einfach in der Hemdtasche oder der Innentasche einer Jacke versteckt werden.

Tipp 5: Die Apps der Profis

Erweiterte Kamera-App
Viele Smartphones sind bereits mit sehr guten Foto-Apps ausgestattet. Alternative Kamera-Apps bieten aber teils neue Funktionen und fortschrittliche Einstellungsoptionen. Wichtig ist: Wir wollen die volle Kontrolle über die Kamera haben, aber die meisten Funktionen unserer Smartphone-Kamera bleiben uns verborgen, da die Standard-Apps mit Automatiken arbeiten. Apps wie „FilMiC Pro“ und „Open Camera“ bieten den vollen Funktionsumfang in Bezug auf den Weißabgleich, die Blende, Belichtungszeit und ISO. Wer sich mit diesen Faktoren und Einstellungen auseinandersetzt, wird noch einmal eine deutliche Verbesserung seiner/ihrer Aufnahmen erzielen können.

Schnitt-App
Alle Szenen sind im Kasten. Was nun? Einfach so hochladen? Wer seinen Film nachträglich schneiden und die Aufnahmen mit Übergängen, Musikuntermalung und Texteinblendungen verschönern möchte, sollte auf Apps wie „InShot“ setzten. Sie bieten einem die Möglichkeit mehrere gedrehte Filmsequenzen mit Bildern und Musik zusammenzufügen und mit Untertiteln, Grafiken oder Bauchbinden zu versehenen. Ein Must-Have für jede/n Social-Media Redakteur*in.

Dieser Beitrag wurde im Auftrag der Technologiestiftung Berlin von Steven Siebert (Digital-Agentur MOVACT) verfasst.

Stand 04/2019 Anmerkungen und Rückfragen gerne an kultur@technologiestiftung-berlin.de

 

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Instagram Leitfaden

23. April 2019

Liebe Kulturschaffende,

ich bin Jolanta Paliszewska, seit vier Jahren bei Instagram als @vispalberlin aktiv und poste regelmäßig Bilder aus und über Berlin. Ich schieße Bilder aus allen Ecken der Stadt und sehe täglich interessante Fotos vor meinen Augen entstehen. Jedes Mal aufs Neue bin ich beeindruckt von Berlin.

In diesem kurzen Instagram Leitfaden zeige ich Euch anhand von ein paar Tipps, welche Vorteile es bringt, die Social Media Plattform aktiv zu nutzen und wie man dem eigenen Account mehr Reichweite und Interaktion verschaffen kann.


Derzeit zeigt sich, dass mehr und mehr Kulturschaffende auf Instagram aktiv sind, da hiermit eine meist recht junge Zielgruppe angesprochen werden kann.
Warum es sinnvoll ist, Instagram als Kommunikations-Kanal zu nutzen, lässt sich bereits anhand der Nutzer*innenzahl erkennen: in Deutschland sind monatlich mehr als 32 Millionen Nutzer*innen aktiv.

Quelle: Allfacebook.de der Rising Media Ltd. (Stand: November 2018)

Grundsätzlich geht es uns heute um die Optimierung Eures eigenen Profils. Instagram ist eine Community und bietet u.a. hiesigen Kulturschaffenden eine Plattform, um sich mit Tourist*innen aus aller Welt und Berliner Bürger*innen durch meist visuelle Beiträge zu vernetzen.

Habt Ihr beispielsweise als Kultureinrichtung eine Sonderausstellung oder Veranstaltung geplant, geht es darum, die Zielgruppe darüber zu informieren und ggf. sogar in Eure Einrichtung zu locken.

Instagram bietet hierbei die Möglichkeit sowohl Fotos, Bilder, Videos als auch einzelne Werke bspw. einer Ausstellung mit den dazugehörigen Informationen zu posten. All das lässt sich schnell verbreiten und erreicht tagtäglich 23 Millionen Nutzer*innen.

Die Nutzer*innen scrollen dabei schnell durch den Feed und sehen Fotos und Videos. Teilweise tun sie das nur einige Sekunden lang. Es geht also darum, die Reichweite und Sichtbarkeit Eurer Beiträge zu erhöhen. Nutzer*innen scrollen nicht nur, sie können auch nach einem bestimmten Hashtag suchen oder mit Hilfe der aktuellen Ortung sehen, was es in der Umgebung zu entdecken gibt.

Zuständigkeit

Die Qualität des Beitrags ist ein wichtiger Aspekt. Es empfiehlt sich die Zuständigkeit für den Instagram-Account nur an ein bis zwei Personen zu vergeben, die längerfristig hieran arbeiten können. Es ist hilfreich, wenn diese/r Mitarbeiter*in, bereits ein privates Instagram-Profil besitzt und sich mit der Plattform auskennt. Sollte das nicht der Fall sein, kann man die Funktionen von Instagram allerdings auch schnell erlernen, wie sich anhand dieses Leitfadens erschließen lässt. Generell ist Instagram sehr intuitiv aufgebaut.

Sind die Verantwortlichkeiten klar, solltet Ihr den regelmäßigen Zeitaufwand festlegen. Jede Kultureinrichtung hat begrenzte Ressourcen! Stellt Euch folgende Fragen:

  • Umfang: Wie viele Beiträge pro Woche sind realistisch?
  • Art: Nutze ich verfügbaren Content z.B. von Facebook und wandle den ab oder mache ich bewusst ganz was anderes als meine üblich Kommunikation?
  • Gestaltung: Wie aufwendig ist die Bearbeitung meiner Bilder und Videos, damit sie meinem Stil gerecht werden?

Daraus entwickelt sich eine „realistische Idee“ von Eurem Kanal, den Prozessen und Zielen dahinter. So könnt Ihr verhindern Euch zu übernehmen oder nach einem anfänglichen Motivationshoch in ein Loch zu fallen, weil Eure Erwartungen nicht definiert wurden.

Wichtig hierbei ist die Dokumentation. Selbst wenn Ihr alleine arbeitet, ist es sinnvoll, festzuhalten, welche realistische Idee Euer Kanal hat und welche Arbeitsschritte daraus folgen. Selbst wenn Ihr einfach nur festlegt, welche Filter Ihr verwendet, kann dies Eurem Kanal den nötigen „roten Faden“ geben. Je mehr Gehirnschmalz Ihr vor dem ersten Beitrag investiert, desto leichter ist für Euch die Implementierung in den Alltag. Seid aber nicht zu ängstlich, etwas auszuprobieren. Bereits angefangene rote Fäden können auch wieder verworfen werden.

Feed

Der „Feed“, die eigene Startseite bei Instagram, besteht aus sämtlichen Neuigkeiten von Personen/Institutionen, denen Ihr folgt. Dort werden untereinander sowohl Momentaufnahmen, Bilder oder Videos als auch dauerhafte Inhalte angezeigt. Der Feed ist bei jedem/r User*in individuell gestaltet – es gibt keinen Feed zwei Mal – da man verschiedenen Profilen folgt und diese Startseite somit auf die eigenen Interessen zugeschnitten ist. Um mit den eigenen Inhalten im Feed der Follower zu erscheinen, erstellt man mit seinem Account sogenannte „Posts“. Man kann nur ein Bild oder auch gebündelt mehrere Bilder und Videos, die wiederum ein Titelbild haben, in einem Post veröffentlichen. Grundlegend besteht Instagram aus dem Instagram Feed, wie er eben beschrieben wurde, und aus dem Instagram Stories Feed, zu dem wir noch kommen werden.

Für den dauerhaft sichtbaren Feed empfehle ich qualitativ hochwertige Bilder zu verwenden. Als Richtlinie empfehle ich pro Tag nur maximal ein oder zwei Bilder zu veröffentlichen, um die Nutzer*innen mit dieser Informationsflut  nicht zu überfordern bzw. sie im schlimmsten Fall zu langweilen oder gar zu nerven. Des Weiteren sollte sich der Feed inhaltlich nicht zu häufig wiederholen. Die Nutzer*innen möchten einen Mehrwert daraus haben, wenn sie Euch folgen und nicht immer dasselbe sehen, lesen oder hören.

Bilder bearbeiten

Wichtig für die Qualität Eures Instagram-Profils können gut bearbeitete Bilder sein. Es gibt unzählige Apps zum Bearbeiten von Fotos. Die meisten bieten Funktionen wie Zuschneiden, Schärfen, Sättigung, Lichtfarbe, vertikale/horizontale Perspektive u.v.m. an. Als Beispiel wähle ich für diesen Leitfaden die VSCO-App, da ich sie selbst häufig verwende und sie diverse Möglichkeiten zum Bearbeiten mit Filtern anbietet. Mit Hilfe der VSCO-Filter lassen sich mit wenigen Klicks die Bilder verschönern, z.B. durch etwas mehr Schärfe und das richtige Zuschneiden, um das Bild so realistisch wie möglich aussehen zu lassen. Die Bearbeitung ist abhängig von der jeweiligen Kultureinrichtung, da jede einen eigenen Stil hat und eine andere Zielgruppe anspricht. Aus der VSCO-App lassen sich die Aufnahmen direkt in einem Album auf dem Smartphone speichern oder man kann sie direkt auf Instagram, Facebook etc. teilen. Natürlich gibt es noch viele weitere Apps wie bspw. Snapseed, Canva, Enhance, Layout oder Afterlight oder die Möglichkeit, Bilder über Instagram selbst zu bearbeiten. Auch gibt es mittlerweile auf Videobearbeitung spezialisierte Apps, wie Splice, Cut Story oder Cinemagraph.

Ich möchte Euch kurz anhand des unten stehenden Beispiels zeigen, welchen Unterschied die Bildbearbeitung machen kann:

Durch Anpassung der Perspektive können die Kanten des Gebäudes mit Hilfe einer Linie begradigt oder korrigiert werden, so dass es ästhetischer aussieht.

Folgt hierbei in der Farb- und Filterwahl einem roten Faden. Entscheidet Euch für einen Stil oder eine bestimmte Struktur. Dabei sollte man sich, wie bereits erwähnt, vorab ein Konzept überlegen, bevor Videos oder Bilder im Feed oder den Stories gepostet werden. Allgemein kann man sich diese fünf Themen merken, um mehr Reichweite und Interaktion zu generieren.

Vorplanen

Für eine Kultureinrichtung mit festen Terminen (Vorstellungen, Eröffnungen etc.) kann ich empfehlen, ein entsprechendes Planungstool zu benutzen. Das ist praktisch aus vielerlei Hinsicht: Ihr seid im Urlaub oder es stehen Feiertage an? – vorplanen. Eure Follower sind morgens in der Bahn am Handy, Ihr aber im Stau auf der Avus? – vorplanen. Ihr macht eine Kampagne und wollt die Übersicht behalten? – vorplanen. Ihr habt eine Ausstellungseröffnung und keine Zeit am Handy zu hängen? – teilweise vorplanen; dann braucht Ihr nur passende Bilder und Videos zu erstellen.

Zum Beispiel ermöglicht die Webanwendung „Later“ mobiles Arbeiten und „holt“ zugleich Instagram, was anders als Facebook lediglich eine App für mobile Geräte ist, auf den PC oder Laptop. Wenn Ihr es gewohnt seid, an einem Büroarbeitsplatz zu arbeiten, kann das sehr angenehm sein, denn Ihr könnt Texte und Bilder wie gewohnt erstellen, ohne auf die kleinen mobilen Geräte angewiesen zu sein.

Stories

Die „Stories“ sind eine Funktion auf Instagram, mit der sich Inhalte verbreiten lassen, die meistens nur für 24 Stunden sichtbar sind und in der obersten Leiste aller Nutzer*innen erscheinen.

Bei der Erstellung der Stories ist Kreativität gefragt. An dieser Stelle können die Inhalte gerne auch lustig gestaltet werden. Die Stories können dazu genutzt werden, um über einen neuen Beitrag im eigenen Feed zu informieren.

Mit Hilfe der Stories werden Inhalte also kurz und knapp veröffentlicht, um auf sich aufmerksam zu machen. Auch hier können Hashtags, GIFs oder Bilder/Fotos und Videos platziert werden, um die Reichweite zu erhöhen. Es gibt auch die „Video Live“ Funktion. Mit dieser können Nutzer*innen sofort erreicht werden. Solche Live-Situationen eignen sich besonders, um den Nutzer*innen bspw. etwas Persönliches zu erzählen oder einen spannenden Einblick in aktuelle Geschehnisse zu verschaffen.

Wenn Ihr während eines Videos etwas sagt, ist es besonders wichtig, dass Ihr bitte auch einen kurzen Kommentar zum Video schreibt, damit taube bzw. schwerhörige Menschen verstehen können, was Ihr ihnen mitteilen möchtet.

Innerhalb der Instagram-Stories stehen weitere nützliche Features bereit. Neben den üblichen Hashtags, GIFs, Bildern/Fotos und Videos kann außerdem eine Umfrage platziert werden. Erscheint eine Umfrage, kann der/die Nutzer*in mit einem einfachen Klick die Frage beantworten. Die Ergebnisse der Abstimmung werden sowohl für die Nutzer*innen als auch für den/die Administrator*in des Instagram-Accounts sichtbar. Eine tolle Möglichkeit, um mit den Followern noch mehr zu interagieren.

In die Story sollten unbedingt auch Links eingebettet werden, um die Nutzer*innen zu einer Webseite zu leiten. Leider ist das wichtige Feature derzeit scheinbar erst ab einer gewissen Kanalgröße verfügbar, was ein klarer Wettbewerbsnachteil für kleinere Kanäle ist, weil ihnen die Möglichkeit fehlt, die eigene Website zu unterstützen. Des Weiteren ist allerdings die Verlinkung eines anderen Instagram-Profils, beispielsweise einer Person, z.B. eines Künstlers/einer Künstlerin, mit @Name möglich.

Damit die Inhalte nicht nach 24 Stunden verschwinden, kann man sie dauerhaft sichtbar machen. Dafür muss diese Story unter einer neuen Gruppe in den „Highlights“ in Eurem Profil gespeichert werden.

Die Titelbilder der jeweiligen Highlights lassen sich außerdem noch gestalten. Für das Layout können bspw. Corporate Identity, Bilder und Icons verwendet werden.

Hier ist ein Story-Beispiel von kulturBdigital:

Hashtags

Die richtige Verwendung der Hashtags spielt eine wichtige Rolle, um die Teilhabe zu erhöhen und Interaktionen auf dem eigenen Account zu generieren. Mit Hilfe von Hashtags lassen sich Fotos und Beiträge kategorisieren. Hierbei könnt Ihr selbst entscheiden, mit welchen Inhalten Ihr Eure Nutzer*innen gezielt ansprechen möchtet.

Die populärsten Hashtags für Berlin sind z.B.:

Neben der allgemeinen Popularität solltet Ihr auch die Relevanz für Eure Zielgruppe als Kriterium heranziehen. Um die Sichtbarkeit Eurer Foto- oder Video-Posts auf Instagram zu erhöhen, empfiehlt es sich, vorab zu recherchieren, welche Hashtags benutzt werden sollten, um die richtige Zielgruppe für die perfekte Reichweite zu finden. Dienste, wie Hashtagify.me, helfen Euch dabei Popularität und Relevanz einzuschätzen. Es kann sich für Euch lohnen, wenn Ihr Euch eine für Eure Kultureinrichtung, Veranstaltungen oder Kampagne kleine, immer verfügbare Liste an Hashtags anfertigt. Durch das Kopieren vermeidet Ihr zusätzlich Rechtschreibfehler im Hashtag. Ich empfehle eher wenige, ausgewählte, sich von Beitrag zu Beitrag abwechselnde Hashtags zu benutzen. Es ist aber für neue oder kleinere Kanäle ratsam, bis zur maximalen Grenze von 20 Hashtags pro Beitrag zu gehen, um die größtmögliche Reichweite und damit Wachstum zu erzielen. Größere Kanäle können es sich zugunsten der Ästhetik leisten, weniger Hashtags zu benutzen.

Eine weitere Möglichkeit ist es, eigene Hashtags für Eure Kultureinrichtungen bzw. -angebote zu erstellen und anschließend zu verbreiten. Die Berlinische Galerie hat beispielsweise einen eigenen Hashtag für ihre Einrichtung (#berlinischegalerie) und für die „Markierung Glaslager“, also das gelb-schwarze Buchstabenfeld vor dem Museum. Unter dem Hashtag #theselettersagain werden somit viele Bilder des Museumsvorplatzes bei Instagram durch Museumsmitarbeiter*innen und Besucher*innen gepostet und verbreiten sich online durch die Besucher*innen.

Beispiele

Der einheitliche Stil der Bilder der Technologiestiftung Berlin @technologiestiftung kann Euch als Beispiel dienen, wie man seinen Feed individuell gestaltet und so seine Wiedererkennung steigert.

Ein paar Beispiellinks zu Instagram Accounts von deutschen und internationalen Kultureinrichtungen möchte ich Euch auch noch mit auf den Weg geben:

Vielleicht konnte ich Euch durch meinen Leitfaden den ein oder anderen Tipp geben und Euch dazu inspirieren, ein wenig Zeit mit der Optimierung des eigenen Instagram Accounts zu verbringen bzw. überhaupt erst einen Instagram Account zu erstellen.

Ich hoffe, dass klar geworden ist, welch niederschwelliger Zugang zu Euren Inhalten durch Instagram möglich sein kann.

 

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Barrierefreiheit in der Berliner Kulturlandschaft

10. April 2019

(Digitale) Barrierefreiheit ist ein Thema, das Akteure im Berliner Kulturbetrieb beschäftigt. Das zeigte die große Resonanz auf den beiden Informationsveranstaltungen in den Räumen der Technologiestiftung Berlin. Handlungsbedarf gibt es zum einen von Seiten des Landes Berlin: Bis zum Jahr 2020 sollen nicht nur öffentliche Verkehrsmittel, sondern auch andere öffentliche Einrichtungen barrierefrei zugänglich sein. Auf der anderen Seite wollen die Kulturinstitutionen von sich aus diesen unerschlossenen Zielgruppen Angebote machen und bestehende Angebote wie z.B. Führungen in Gebärdensprache oder Übertitel bei Nutzer*innen mit Einschränkungen bekannter machen.

Besonders für den letzten Punkt ist eine digital barrierearme Webseite unverzichtbar. In drei Vorträgen von Jolanta Paliszewska (u.a. jubel³ mit Gebärdensprache e.V.), Dirk Sorge (u.a. Berlinklusion) und Cordula Kehr (Referentin für Kommunikation bei Diversity Arts Culture) wurden verschiedene Aspekte wie die BITV (Barrierefreie-Informationstechnikverordnung) und der „WCAG 2.0. Standard“ behandelt. Praktische Beispiele machten deutlich: Von barrierearmen Webseiten profitieren nicht nur Nutzer*innen mit Einschränkungen. Ein durchdachter Webseitenaufbau verbessert die Usability für alle Nutzer*innen und mit der Einbettung von detaillierten Informationen, die z.B. Lesegeräte verwenden, erweitert sich auch die Auffindbarkeit über Suchmaschinen.

Es lohnt sich also in mehrfacher Hinsicht, sich mit dem Thema Digitale Barrierefreiheit zu befassen. Und auch wenn das große Ziel – komplette Barrierefreiheit finanziell und logistisch noch weit entfernt scheint – viele kleine Zwischenschritte sind durchaus machbar.

Am 06.03. und 08.04.2019 haben im Rahmen des kulturBdigital Labs Informationsveranstaltungen zum Thema Barrierefreiheit stattgefunden.

Referent*innen waren:

  • Jolanta Paliszewska studiert Interfacedesign an der FH Potsdam, sie ist 1. Vorsitzende des jubel³ mit Gebärdensprache e. V und Ansprechpartnerin für BIGS – Berliner/Brandenburger Initiative für gebärdensprachige StudentInnen.
  • Dirk Sorge ist u.a. Mitglied der Initiative Berlinklusion und im Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein (ABSV) und berät Museen, die planen, die Barrieren in ihren Ausstellungen abzubauen. Zur Zeit arbeitet er als freier Kulturvermittler für verschiedene Einrichtungen in Berlin.
  • Cordula Kehr ist Referentin für Kommunikation bei Diversity Arts Culture und betreute den Aufbau der barrierearmen Webseite diversity-arts-culture.berlin.

Dokumentationen der jeweiligen Beiträge findet ihr hier (bitte zum Öffnen anklicken).

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Leitfaden für die Realisation von Videoprojekten

8. April 2019

Timm Straßheim von KARACHO Film hat einen Leitfaden erstellt, der verschiedene allgemeine und strategische Aspekte für die Realisation von Videoprojekten beleuchtet, die mitunter folgende Punkte aufgreifen:

  • Geschichten. Emotionen. Nutzer*innenverhalten –> Vor- und Nachteile von Videos
  • Vorstellung von Videoarten und Zielen
  • Strategische Vorbereitung für die Videoagentur oder die Eigenproduktion
  • Aufwände einer Videoproduktion anhand von Praxisbeispielen
  • Videoseeding – Verbreitung von Webvideos anhand eigener Kanäle und ggf. bezahlter Videoanzeigen

Den kompletten Leitfaden könnt ihr Euch hier downloaden.
Viel Spaß und Erfolg bei der Umsetzung Eurer Projekte!

 

Am 03.04.2019 hat im Rahmen des kulturBdigital Labs eine Informationsveranstaltung zur Erstellung von Webvideos stattgefunden, bei dem der Leitfaden erstmals vorgestellt und diskutiert wurde.

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Resümee der Konferenz „kulturBdigital – Digitale Entwicklung des Kulturbereichs“

23. Januar 2019

300 Vertreter*innen der Berliner Kulturszene, die sich mitten im Produktionsstress einen Tag Zeit nehmen, um sich mit der Bedeutung von Digitalisierung für ihre Arbeit zu befassen. Das ist in sich schon ein Statement. Die rege Publikumsbeteiligung und die Gespräche während der Veranstaltungspausen haben gezeigt: Es gibt Redebedarf und die Akteure der Kulturszene haben Lust mitzureden.

Bis jetzt haben die meisten Häuser versucht, die sich rasant ändernden Anforderungen durch die Digitalisierung als Einzelkämpfer zu meistern. Sie haben Webseiten gepflegt, Zeit und Energie in die Digitalisierung von analogen Kulturgütern gesteckt und neue Formate ausprobiert. Am Berliner Ensemble hatte im September das Stück „Die Parallelwelt“ Premiere. Eine Simultanaufführung, bei der sieben Schauspieler*innen des Berliner Ensembles und des Schauspiel Dortmund zeitgleich miteinander Theater spielen. Verbunden in Echtzeit durch ein Glasfaserkabel, das Bilder und Töne in Lichtgeschwindigkeit über 420,62 Kilometer Luftlinie zwischen Dortmund und Berlin hin- und hertransportiert.

Digitale Experimente wie dieses gibt es immer mehr, aber zu oft entstehen sie aus dem Enthusiasmus Einzelner und bleiben damit Inseln im regulären Spielplanbetrieb. Wenn Digitale Innovation im Kulturbetrieb die Regel werden soll, das haben die Vorträge und die Diskussion bei der Konferenz kulturBdigital gezeigt, dann müssen sich Arbeits- und Denkweisen grundlegend ändern.

Nicolas Zimmer und Dr. Sebastian Meier von der Technologiestiftung Berlin appellierten in ihren Vorträgen an einen anderen Umgang mit Daten. Metatags für Suchmaschinen und Analysetools für Webseiten sind nur einige der Punkte, an denen die wertvolle Zeit von Kulturarbeiter*innen gut investiert ist: „Hier muss möglichst schnell ein Umdenken stattfinden, denn was nützt eine aufwendig gestaltete und gepflegte Webseite, wenn sie die Zielgruppe nicht erreicht? Wer hier Zeit spart, spart am falschen Ende“, sagt Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung Berlin. Außerdem müsse man sich Gedanken machen, wie man den Plattform-Gedanken für die Berliner Kultureinrichtungen nutzbar macht.

Katrin Glinka vom Projekt museum4punkt0 plädiert für einen institutionenübergreifenden Austausch in dem auch das „Risiko“ eingegangen wird, etwas Unfertiges oder womöglich Gescheitertes zu zeigen. In der Start Up Szene seien dieser Austausch von Zwischenergebnissen und am Nutzer orientierte Design-Thinking-Prozesse die Regel. Mit museum4punkt0 hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz eine Struktur geschaffen, die über Institutionengrenzen hinweg agiert und auch ein Vorbild für andere Sparten sein kann.

Susanne Schuster und Philip Steimel, die als Freie Theatermacher mit digitalen Techniken wie Algorithmen oder Computerspielelementen arbeiten, berichten in ihren Vorträgen von der inhaltlichen Bereicherung, die Digitale Innovation in den performativen Künsten freisetzen kann. Sie erläutern aber auch die großen Unterschiede zwischen Freier Szene und den etablierten Häusern und stellen die Frage, wie statt einer „Digitalisierungspanik“ ein digitales Selbstbewusstsein entstehen kann. Nur dann könne Kultur auch inhaltlich eine Stimme sein, die mitredet, wohin sich unsere digitalisierte Gesellschaft weiterentwickelt.

Prof. Dr. Thorsten Koch vom Zuse Institut Berlin berichtet von eindrucksvollen Erfolgen des Berliner „Förderprogramm Digitalisierung“: Seit der Gründung 2012 wurden über eine Million analoge Kulturgüter von der Urkunde bis zum Dinosaurierknochen digital erfasst und so für die Nachwelt gesichert. Ein Datenschatz, dessen Nachnutzung viele Potentiale für Kulturinstitutionen bietet, zum Beispiel in der Ausstellungsgestaltung und Datenvisualisierung.

Kultursenator Dr. Klaus Lederer betonte in seinem Vortrag zum Innovationsfonds und in der darauffolgenden Diskussion, wie tiefgreifend der Mentalitätswandel ist, der sich in Kulturinstitutionen vollziehen muss: „Kultureinrichtungen sind nicht für sich selbst da, sondern für die die dahingehen. Und für die, die potentiell hingehen könnten, das aber nicht tun.“ Digitale Innovation könne den Weg zu einer barrierefreien Kulturvermittlung eröffnen, sagt Klaus Lederer. Die Aufgabe der Digitalen Entwicklung im Kulturbereich sei auch vom finanziellen Aufwand weit umfassender, als die Mittel des Innovationsfonds. Mit den für das Projekt kulturBdigital vorgesehenen Summen von insgesamt 750.000 Euro für die Jahre 2018 und 2019 wolle man erst mal vorfühlen, wo die Bedarfe sind. Das Geld solle nicht für Digitale Infrastruktur wie schnellere Rechner oder halbe Social-Media-Stellen ausgegeben werden, sondern für Projekte mit Modellcharakter. „Es geht auch darum zu verhandeln, in welcher digitalen Welt leben wir eigentlich?“.

 

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Diskussion „Was braucht’s für die digitale Entwicklung des Kulturbereichs?“

22. Januar 2019

Wie kommt die Idee eines Innovationsfonds zur digitalen Entwicklung im Kulturbereich bei denen an, die sich schon auf den Weg in Richtung einer wirklich digitalen Entwicklung gemacht haben - inklusive Rückschläge? In der Podiumsdiskussion „Was braucht’s für die digitale Entwicklung des Kulturbereichs?“ traf Kultursenator Klaus Lederer auf Professor Friedrich Kirschner von der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch und Danilo Vetter, Fachbereichsleiter bei der Stadtbibliothek Pankow und aktiv im Verbundsnetz Bibliotheken.

Videoproduktion: Bollemedia TV- und Videoproduktion

Friedrich Kirschner unterrichtet seit 2012 an der Hochschule Ernst Busch im Bereich „Digitale Medien im Puppenspiel“. Er nutzt Computerspiele für seine Arbeit, hat eigene Software entwickelt und teilt diese Leidenschaft mit seinen Studierenden. Seinen Anspruch und damit auch den Wunsch an den Innovationsfonds formuliert er so: „Ich möchte Theaterschaffenden etwas bieten mit meiner Forschung.“ Das sei schließlich die klassische Aufgabe der Hochschulen: Dinge zu erforschen ohne direkten Anwendungsdruck und die Ergebnisse dann mit Praktikern zu teilen. Genau dieser Austausch, sagt Kirschner, findet noch zu wenig statt.

Danilo Vetter beobachtet in den Berliner Bibliotheken zwei verschiedene Innovationsgeschwindigkeiten zwischen den Zentralen Einrichtungen und dem Bezirk. Im Bereich der ZLB werden beinahe monatlich neue digitale Angebote eingeführt – vom Zugang zur Datenbank Statista bis zum Konzertmitschnitt über die Plattform „Medici.tv“. Die größte Aufgabe stellt sich dabei vor allem in der Förderung der Innovationskultur – damit die Mitarbeiter*innen bei dieser rasanten Veränderung auch mitgenommen werden.

Diese Kluft kennt auch Kultursenator Klaus Lederer: „Wir brauchen Menschen mit Vermittlungskompetenz, die in Institutionen Digitalisierung vorantreiben.“ Das Vorbild des  „Verbundsnetz Bibliotheken“ zeige, dass es Sinn machen kann Parallelstrukturen anzulegen, in denen ein Wissensaustausch abseits der etablierten Strukturen möglich ist. Mit Blick auf ältere Mitarbeiter*innen betont er: „Öffnung ist keine Altersfrage, sondern eine Frage der Offenheit. Es muss aber auch einen Generationswechsel in den Häusern geben.

Mit den für den Fonds vorgesehenen Summen wolle man erst mal vorfühlen, wo die Bedarfe sind. „Es geht nicht darum, Lücken im Changemanagement von Kultureinrichtungen zu decken.“ Die Digitalisierung müsse Teil der DNA von Einrichtungen werden und damit auch Teil des Finanzkonzeptes. Das Geld aus dem Innovationsfonds soll also nicht für schnellere Rechner oder halbe Social-Media-Stellen ausgegeben werden, sondern für Projekte mit Modellcharakter: „Es geht auch darum zu verhandeln in welcher digitalen Welt leben wir eigentlich?“

Den Bedarf für eine solche Debatte sehen auch Danilo Vetter vom Verbundsnetz Bibliotheken und Prof. Friedrich Kirschner von der Schauspielschule Ernst Busch. Kultureinrichtungen seien in der heutigen Gesellschaft einer der wenigen frei zugänglichen öffentlichen Räume, wo Menschen abseits von Konsumzusammenhängen zusammenkommen können, sagen sie übereinstimmend. Welche Aufgaben diese Räume erfüllen, hängt auch von den Bedürfnissen der Öffentlichkeit ab. Es könne bei den Projekten des Innovationsfonds nicht „um eine App gehen, die ein paar Nerds nutzen“

Wenn man sich auf diesen Gedanken einlässt, sagt Danilo Vetter können ungewöhnliche Projekte entstehen. Die Bezirksbibliothek in Charlottenburg stellt den Nutzer mitten im Lesesaal einen Musik-Makerspace zur Verfügung. In Reinickendorf werden Roboter zur Leseförderung eingesetzt. Solche Projekte bieten Gelegenheit für die Kooperation mit externen Partner wie dem Fraunhofer Institut, was wiederum wertvolle Impulse in die Institution Bibliothek gibt.

Räume sind ein Thema, das Prof. Friedrich Kirschner mit Blick auf die Freie Szene umtreibt: Wo gibt es Veranstaltungsorte, die sich für digitale Experimente öffnen? Ist das Geld des Innovationsfonds in den großen Häusern gut angelegt? „Zugespitzt gefragt: Was hat das Deutsche Theater davon, dass es dort Wifi gibt? Muss man dann ausschliesslich Angst haben, dass alle dann lieber auf ihr Handy schauen? “ Es sei wichtig, sagt Kirschner, dass bei den Förderkriterien für den Innovationsfonds die Projekte an Räume gekoppelt werden, wo der digitale Erfahrungsschatz auch erhalten bleibt.

Kultursenator Klaus Lederer versteht diese Sorgen, warnt aber vor einem Frontendenken zwischen Freier Szene und den „großen Tankern“. Die Berliner Schaubude sei ein gutes Gegenbeispiel. „Für Veränderung braucht es auch Anforderungsdruck von außen.“ Es gäbe in den Häusern aber auch Ängste, die man ernst nehmen müssen. „Es kann nicht heißen: Wenn ihr digital seid, braucht ihr ja die analogen Leute nicht mehr. Das sind auch Kämpfe um Haushaltsmittel.“

Der Innovationsfonds, sagt Lederer, solle vor allem ein Experimentierfonds sein, der Lust auf Veränderung macht. „Ich möchte möglichst viele Leute neugierig machen, sich in diesen Prozess einzuklinken.“

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Senator Dr. Klaus Lederer – „Innovationsfonds“

21. Januar 2019

Senator Dr. Klaus Lederer von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa hat die Idee eines „Innovationsfonds zur digitalen Entwicklung im Kulturbereich“ erstmals im April 2018 auf der re:publica vorgestellt.

Das war der Anstoß für einen moderierten Findungsprozess, in dem zuerst die Bedarfe der Kulturschaffenden aufgenommen werden sollen und für den im Senatshaushalt 2018 und 2019 insgesamt 750.000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Auf dieser Basis soll eine Förderrichtlinie für den Innovationsfonds entwickelt werden, der ab 2020 bereitgestellt wird. Der offene Prozess, in dem die Förderrichtlinie erarbeitet wird, ist selbst Ausdruck des digitalen Mindsets, das in der Berliner Kultur gefördert werden soll.

Videoproduktion: Bollemedia TV- und Videoproduktion

Die Senatsverwaltung für Kultur und Europa sieht sich dabei weniger als Innovationstreiberin denn als Dienstleisterin für Institutionen und Akteure aus der Freien Szene, die ihre digitale Entwicklung vorantreiben wollen: Das Ziel ist es, Modellprojekte zu fördern, die spartenübergreifende Bedeutung haben. Es geht also nicht um Investitionen in digitale Infrastruktur und auch nicht um eine Förderung von Kulturinstitutionen, die ohnehin mit einem großen Budget ausgestattet sind.

Dabei schließt der Innovationsfonds die Lücke zwischen der Arbeit der digiS, die digitale Kopien von analogen Kulturgütern erstellt und der Publikumsentwicklung mit Digitalen Mitteln.

Die Digitalisierung wird „echte“ Kunstwerke nicht überflüssig machen, sie fügt ihnen nur eine Ebene hinzu und erschließt so neue Zielgruppen, die im Moment von der kulturellen Teilhabe ausgeschlossen sind. Vielleicht ist es mit Hilfe der Digitalisierung in Zukunft möglich, einen Avatar durchs Museum laufen zu lassen und Kunstwerke in der Virtuellen Realität zu erleben. Damit hätten auch Personen mit Mobilitätseinschränkung Zugang zu öffentlich geförderter Kunst.

Interessant ist die Digitalisierung auch mit Blick auf geraubte Kulturgüter: Wenn ein Kulturgut digital zur Verfügung steht, kann es beliebig vervielfältigt werden und der bisher exklusive analoge Zugang würde an Bedeutung verlieren.Besonders brisant ist auch der Bereich digitales Ticketing. Im Moment gibt es in diesem Bereich monopolartige Strukturen, in denen ein großer Internetkonzern die Konditionen bestimmt. Es wird zum Beispiel eine Gebühr für das Ausdrucken der Tickets verlangt, was Nutzer*innen verärgert und letztlich den Kultureinrichtungen schadet. Klaus Lederer: „Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass ein Unternehmen nicht nur von der öffentlichen Angebotsstruktur profitiert, indem es die Tickets verkauft, sondern auch noch die Daten der Nutzer*innen und damit wertvolles Wissen über die Zuschauer*innen bekommt.“ Ein mögliches Förderfeld für den Innovationsfonds wäre es, ein alternatives Ticketingsystem einzuführen, das auch kleinere Häuser nutzen können.

Diese Punkte zeigen, wie groß der Handlungsbedarf in Sachen Digitalisierung ist: „Wir sind ohnehin schon spät dran. Wenn sich der Kulturbetrieb der Digitalisierung nicht öffnet, können wir mit der Innovationskraft von renditegetriebenen Unternehmen nicht Schritt halten.“

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Prof. Dr. Thorsten Koch: „Das Beste kommt nicht zum Schluss – Zur Archivierung und dauerhaften Verfügbarkeit von Daten“

18. Januar 2019

Prof. Dr. Thorsten Koch ist Mathematiker und Leiter der Abteilung Wissenschaftliche Information am Zuse Institut Berlin, einem außeruniversitären Forschungsinstitut des Landes Berlin für angewandte Mathematik und Informatik. Dort ist das „Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin - digiS“ angesiedelt. digiS koordiniert das landesweite und spartenübergreifende Förderprogramm zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes und unterstützt seine Berliner Projektpartner bei der Umsetzung ihrer Digitalisierungsprojekte unter anderem mit technischer Infrastruktur zur nachhaltigen Archivierung und damit dauerhaften Verfügbarmachung der Daten aus den Projekten.

Videoproduktion: Bollemedia TV- und Videoproduktion

Im Rahmen des Förderprogramms wurden seit 2012 71 Projekte in 32 Berliner Kultur(erbe)-einrichtungen durchgeführt – im Schnitt 9-10 Projekte pro Jahr. Die Auswahlempfehlung erfolgt durch eine externe Fachjury. Die Gesamtfördersumme liegt 2019 erstmals  bei 600.000 €.

Die Bewerbung im „Förderprogramm Digitalisierung“ steht allen Kultureinrichtungen mit Sitz in Berlin offen.

digiS und das Förderprogramm stellen insofern eine sinnvolle Ergänzung für den geplanten „Innovationsfonds zur digitalen Entwicklung im Kulturbereich“ dar, da durch digiS für die dauerhafte Verfügbarmachung von digitalem Kulturgut im Sinn der Langzeitarchivierung ein nachhaltiges Konzept, Kompetenzen und in Kooperation mit dem Zuse-Institut Berlin und dem KOBV (Kooperativer Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg) eine technische Infrastruktur vorhält.

digiS versteht sich als Partner der am Förderprogramm beteiligten Institutionen.  Das Förderprogramm ist auch ein „Lernprogramm“, und bietet über die von digiS durchgeführten Workshops und ein umfängliches Beratungsangebot eine Plattform für seine Partner, sich die notwendigen Kompetenzen für die Ausgestaltung einer musealen (archivischen, bibliothekarischen etc.) digitalen Praxis anzueignen.

Das Workshop- und Beratungsangebot reicht von praktischen Fragen angefangen bei der Auswahl und den technischen Digitalisierungsparametern der sehr heterogenen Kulturerbeobjekte bis hin zu komplexen rechtlichen Fragestellungen. Die Palette der digiS-Projekte reicht von Gemälden, Fotografien, AV-Medien über Regiebücher, Saurierknochen bis hin zu Adressbuchkunstwerken oder Stoffmusterbüchern. Es reicht eben nicht aus, Stoffmuster hochauflösend abzufotografieren, sondern die künftigen NutzerInnen wollen auch etwas über die Materialzusammensetzung des Fadens wissen oder vielleicht das Webmuster unterm Mikroskop sehen. Dies zeigt, welche Herausforderungen Kulturobjekte auch an die Archivierung stellen: Sie sind sehr unterschiedlich, müssen aber trotzdem in eine einheitliche Struktur gebracht und standardisiert beschrieben  werden, um für die Kulturgutportale der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) oder der Europeana nachnutzbar zu sein.

Die Herausforderung der digitalen Langzeitarchivierung  ist es, die in den digitalen Daten enthaltenen Informationen dauerhaft so verfügbar zu halten, dass auch künftige NutzerInnen sie noch nachnutzen können. Eine offene Frage ist dabei, dass wir heute teilweise noch gar nicht wissen, mit welchen wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden und Datenverarbeitungstechniken wir es in Zukunft zu tun bekommen. Eine Sammlungsdatei, die beispielsweise in den 90er Jahren auf Diskette gespeichert wurde, lässt sich heute nicht mehr ohne weiteres nutzen.

Für das von digiS in Kooperation mit dem KOBV am ZIB entwickelte LZA-System EWIG  wird im Zuge maximaler Transparenz prinzipiell nur Open Source Software eingesetzt.

In einer brandgeschützen Sicherheitszelle kopieren zwei Bandroboter die Daten auf Magnetbänder, wobei jeder Datensatz doppelt gespeichert wird. Obwohl in den Speichern inzwischen Daten von über einer Million Objekte von der Urkunde bis zum Dinosaurierknochen lagern, sind die 150 Petabyte erst zu einem Bruchteil ausgeschöpft. Technisch gesehen ist also genug Platz da, um noch sehr viel mehr kulturelle Objekte zu sichern. Der limitierende Faktor ist eher der Zeitaufwand um einen umfassenden Digitalisierungsworkflow in den Institutionen selbst ein- und auszuführen, sowie für die Vorbereitung der Daten zur Übernahme in das Langzeitarchiv – dies erfolgt in enger Unterstützung und Beratung mit digiS. Zunächst sind aber auch bei der digitalen EWIG-keitsfrage die Institutionen gefordert: Jede Institution muss also für sich hierzu eine Bewertungsentscheidung treffen. Was soll aufgehoben werden, was nicht? Auf jeden Fall sollten sie dabei keine Zeit verlieren: Video- und Tonbänder zersetzen sich schnell, Laufwerke ändern sich, so dass Objekte nicht mehr abspielbar sind. Der Platz ist da, aber die Zeit drängt.

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Philip Steimel: „Die Realität hat die geilste Grafik, aber… – machina eX inter(re)aktives Computerspiel-Theater“

17. Januar 2019

Jan Philip Steimel ist „eXperte für Programmierung und (B)lötzinn“ beim Medientheaterkollektiv machina eX. Die Produktionen von machina eX sind spielbare Theaterstücke und zugleich begehbare Computerstücke.

Videoproduktion: Bollemedia TV- und Videoproduktion

Die Szenarien sind unterschiedlich, mal geht es um Cyberkrieg, mal um Migration, mal um Game-Design selbst, wie in der aktuellen Produktion „Disaster“. Gemeinsam ist allen Produktionen, dass die Zuschauer*innen gemeinsam mit den Schauspieler*innen auf der Bühne stehen und kooperieren müssen, um Aufgaben zu lösen und die Handlung voranzutreiben. Die Handlung selbst ist multilinear, das heißt, sie kann an Schnittstellen verschiedene Richtungen einschlagen.

Die Technik für die Umsetzung ihrer Ideen entwickelt das Theaterkollektiv selbst, wobei die Technik eher im Hintergrund stehen soll. Hinter einem Safe oder einem Telefon kann sich ein komplizierter, selbst entwickelter Steuerungsmechanismus verstecken. Durch diese haptische Erfahrbarkeit sinkt die Hemmschwelle des Publikums, sich aktiv einzubringen und Dinge auszuprobieren. Ein altmodisches Wahlscheibentelefon in einem der Stücke lässt zum Beispiel Menschen der älteren Generation zu Expert*innen werden, die sonst eher am Rand stehen.

Machina eX-Produktionen sind sehr gefragt bei Theaterhäusern, weil es dort eine Art „Digitalisierungspanik“ gibt. Es gibt den spürbaren Bedarf, die Digitalisierung zu thematisieren und andere interaktive Formate zu entwickeln, gleichzeitig fällt es den großen Institutionen schwer, das aus sich heraus zu entwickeln. Machina eX wird da manchmal als Erlösungsversprechen gesehen, damit ein Haus „digital aussieht“. Aber wenn wir weiterziehen, hat sich in Wirklichkeit nicht so viel verändert.

Eine wirkliche künstlerische Auseinandersetzung mit der Digitalisierung findet bisher fast nur in der Freien Szene statt und manchmal im Rahmen von Festivals, die einen Freiraum im der Spielplan-Routine bilden. Das hat auch mit den Abläufen im Theater zu tun: Man arbeitet auf eine Premiere hin und ist mit sich selbst beschäftigt. Dadurch kommt der Austausch – auch über Ideen und Unfertiges oft zu kurz.

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