Informatives

Mit dem Projekt „kulturBdigital“ möchten wir ein Forum und eine „Werkstatt“ bieten, Praxiswissen vermitteln, ausprobieren, Hemmschwellen abbauen und sparten- und einrichtungsübergreifend Kulturakteure befähigen, Digitales in der täglichen Arbeit mitzudenken.

2. kulturBdigital Konferenz

21. Oktober 2019

Das Programm und die Anmeldung zur Konferenz "kulturBdigital - Digitale Entwicklung des Kulturbereichs" am 28.10.2019 sind hier zu finden.

Internet of Things im Kulturbereich – Bericht

2. Oktober 2019

Wozu kann man neue Technologien des Internet of Things (IoT) im Kulturbereich einsetzen? Welche Anwendungen wünschen sich Berliner Kultureinrichtungen? Und ist IoT überhaupt ein Thema für Kultureinrichtungen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des kulturBdigital Labs mit Dr. Christian Hammel, Bereichsleiter Innovation Policy & Research bei der Technologiestiftung und Vertreter*innen verschiedener Berliner Kultureinrichtungen.

Im Internet of Things haben Gegenstände eine eindeutig identifizierbare individuelle digitale Identität (Adresse). Das kann ein Barcode sein, RFID, MAC oder IP-Adresse. So kann man sie mit Lesegeräten oder einem Kommunikationsmodul identifizieren und mit ihnen kommunizieren. Ein Beispiel im Veranstaltungsbereich sind Eintrittskarten für die Fußballweltmeisterschaft, die die FIFA seit 15 Jahren nutzt. „Das RFID-Ticket ist eines der Grundbeispiele vom Internet of Things“, sagt Christian Hammel. Die Karten sind personalisiert, die Echtheit der Tickets kann überprüft werden und Mehrwertdienste wie Parkplatzreservierung, Staudetektion oder Bezahlfunktion können angeboten werden. Möglich macht dies ein kostengünstiger RFID-Chip im Ticket, der über ein Lesegerät am Eingang, Kiosk u.a. ausgelesen und auf einer Datenplattform bearbeitet werden kann. Selbst Mausefallen sind inzwischen smart, erklärt Dr. Hammel, mit einem LoRaWAN-Sender können sie signalisieren, ob eine Maus in der IoT-Mausefalle sitzt oder nicht. Das spart Zeit und Geld für Inspektionen in Kellern oder Getreidespeichern.

Und wie kann Internet of Things – Technik in Kultureinrichtungen genutzt werden?

Entscheidend sei, betont Hammel, „wer das machen will, sollte nicht mit der Technik anfangen sondern herausfinden, wofür er das benutzen will“.

Dennoch sei die technische Seite nicht zu vernachlässigen. Bei Video sind breitbandige Übertragungen nötig, für einfache Steuerbefehle reicht ein schmalbandiges Netz. Wichtig sind auch Fragen nach der Übertragungsgeschwindigkeit – echtzeitnah (Roboter) oder zeitlich unkritisch, d.h. weniger schnell wie bei der Steuerung von Raumtemperaturen – oder nach der Stromversorgung (Netz oder Batterie) und der Reichweite. Inzwischen können mit immer billigeren Mikroprozessoren Gegenstände jetzt auch Daten wie Standort, Wetter, Personen im Raum, Tür offen u.a. übermitteln und Steuerbefehle wie Licht an!, Lüftung aus! etc. entgegennehmen. Durch neue Übertragungstechniken funktioniert das auch über große Entfernungen und ohne teure Verkabelung.

„Wir können davon ausgehen, dass das künftig immer mehr Geräte können, weil Kommunikationsschnittstellen fast überhaupt nichts mehr kosten“, so Christian Hammel.

Wie könnte also mit einem IoT-Projekt begonnen werden?

Zunächst müssen die grundlegenden Fragen geklärt werden: Was soll das können? Wo wollen wir das einsetzen? Und verarbeiten wir die Daten selbst?

Danach muss die grundsätzliche Entscheidung getroffen werden, ob das Projekt mit eigenen Mitteln und Personen oder als Bildungsauftrag gemeinsam mit dem Publikum realisiert werden kann. Für Selberbauer bietet die Technologiestiftung eine Hacking-Box an. „Da sind 15 Devices drin, mit denen kann man rumexperimentieren“, wirbt Hammel für die Tool-Box. Alternativ könnte es für das Projekt auch einen Entwicklungs- oder Betreiberauftrag geben. Stellt sich die Frage: „Wir wissen auch nicht, wie es geht, würden es gerne einmal ausprobieren“, empfiehlt Christian Hammel „die Nerd-Community einzuladen oder es als Herausforderung für einen Hackathon (lt. Wikipedia eine Wortschöpfung aus „Hack“ und „Marathon“, ist eine kollaborative Soft- und Hardwareentwicklungsveranstaltung) anzusehen.“ Hilfreich sei es auch bei größeren Herausforderungen, eine Förderung beim BMBF zu beantragen oder eine Kooperation mit einer Hochschule oder Firma zu suchen.

Von ersten Anwendungen berichteten die Teilnehmer*innen des kulturBdigital Lab. Sehr lange schon werden in den öffentlichen Bibliotheken Berlins Medien wie Bücher und CDs mit einem RFID-Chip versehen, um das Ausleihmanagement zu vereinfachen. Dahinter stehe aber ein kompliziertes und auch teures Bibliotheksmanagementsystem, das nicht einfach auf andere Bereiche wie z.B. Orchesternoten übertragen werden könne. Das bedauerte ein Vertreter der Orchestervereinigung ORSO. Er berichtete aber, dass sie sich eine einfache IPad-Smartphone-Anwendung erstellt haben, um die Anwesenheit von Orchestermitgliedern mittels eines QR-Codes zu tracken. Bei den Teilnehmer*innen stellte sich daraufhin die Frage, ob beim Internet oft Things auch Menschen Dinge sein könnten. Da solle man nicht päpstlicher als der Papst sein, meinte Christian Hammel, „dann erfinden wir halt das IoC – das Internet of Culture“.

Beim Nachdenken über mögliche Anwendungen im Kulturbereich gab es sehr unterschiedliche Ideen, wobei Chips, Sensoren, QR-Codes und Co helfen könnten. Diese Möglichkeiten wurden von den Teilnehmer*innen in verschiedene Anwendungsbereiche zusammengefasst.

Einerseits ging es ums Tracking von Dingen wie Notenmaterial, vermissten Medien aber auch Dekorationen und Kostümen. Dazu wurde auch die In-Haus-Navigation zur Orientierung z.B. im Museum genannt mit der Frage, ob der Weg durch die Ausstellung individualisiert werden könne.

Andererseits könnte IoT eingesetzt werden zur Steuerung des Raumlichtes, der Lüftung aber auch zur Zählung und Erkennung von Besucher*innen und deren Weg durch eine Ausstellung beispielsweise.

Spannend fanden die Teilnehmer*innen auch Anwendungsoptionen im Marketingbereich: Wie ist das Nutzer*innenverhalten? Wo sind sie hauptsächlich? Welche Medien nutzen sie? Wie lange verweilen sie in welchem Raum?

Für große weltweit agierende Gruppen, wie sie Chöre und Orchester darstellen, wäre ein digitales Travelmanagement wünschenswert, die Dokumentation von Anwesenheit sowie ein Noten- und Dokumentenmanagement.

Es gab auch erste Ideen, IoT als interaktive Anwendungen nutzen zu können. Beispiele wären ein smartes Bühnenbild als Teil der Inszenierung, Displays zu Inhalt und Ausleihstatus von Büchern und personalisierte Lesetipps oder ein RFID-Ring für jede*n Besucher*in. Was man damit tun kann, müsste man sich überlegen, so die Vision. Vorstellbar wäre eine Vernetzung der Besucher*innen untereinander. Dabei war eine Idee, dass ähnlich wie bei einer Dating App Menschen mit beispielsweise gleichen Leseinteressen den Vorschlag bekommen könnten, sich im Restaurant zu treffen, um bei einem Glas Wein über ihre Bücher zu diskutieren – wobei Restaurant und Wein automatisch vorab reserviert würden. Das wäre dann nicht das Internet of Things sondern breiter gefasst das Internet of Culture.

Thomas Prinzler

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„Wikipedia, Wikimedia Commons, Wikidata“ – Bericht zum World Café

30. September 2019

Wie „funktioniert“ Wikipedia? Wie können Kulturschaffende die Enzyklopädie für sich nutzen? Was steckt hinter den Projekten zur Förderung des Freien Wissens und welche Rolle spielt dabei eigentlich Wikimedia?

Antworten auf diese Fragen gaben die Wikimedia-Mitarbeiter*innen Jan Apel, Andrea Knabe-Schönemann (Wikidata), Sandra Becker (Wikipedia) und Martin Rulsch (Wikimedia Commons) im Rahmen der World-Café-Veranstaltung im kulturBdigital Lab.

“Sich eine Welt vorzustellen, in der alles Wissen für alle frei zugänglich ist, das ist das Ziel, wofür wir kämpfen“, so Jan Apel von Wikimedia Deutschland, der Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e. V. Die 2004 an der TU Berlin gegründete Wikimedia Deutschland ist eine von 40 Ländervertretungen des Wikimedia-Verbundes, der seit 2003 Wikipedia und ihre Schwesterprojekte betreibt. Der spendenfinanzierte Verein hat in Deutschland 70.000 Mitglieder und 130 Mitarbeitende in der Berliner Geschäftsstelle. Als Vision beschreibt der Verein eine Welt, in der alle Menschen am Wissen der Menschheit teilhaben, es nutzen und mehren können. Dazu gehört, dass die Schätze in den Kulturinstitutionen wie Museen und Bibliotheken für alle digital zugänglich sein sollten, betont Jan Apel. Doch Freies Wissen sei noch nicht selbstverständlich. Um die Vielfalt des Wissens der Menschheit für alle sichtbar zu machen, sind Strukturen nötig. 2030 will Wikimedia das weltweite Fundament im Ökosystem des Freien Wissens sein. „Wikimedia ist als Wikiversum nicht zentrale Plattform, sondern will Netzwerk sein“, sagt Apel. Dabei werden zwei Ziele besonders wichtig sein. Einerseits sei das Wissen als Dienst (Knowledge as a service). „Wir wollen die Infrastruktur aufbauen, nicht nur, um uns selber zu ermöglichen, Wissen zu verteilen, sondern auch Partnerorganisationen“. Als zweites geht es dabei um die Wissensgerechtigkeit für alle (Knowledge equity), „jenseits von Hürden, seien es geografische Hürden, politische oder auch persönliche Hürden“. Eine besondere Aufgabe für die Wikimedia Deutschland ist das Spendensammeln. Die Nutzer*innen in Deutschland sind spendenfreudig, stellt Jan Apel fest. Sie ermöglichen damit den weltweiten Aufbau von Strukturen für die Projekte.

Der Wikimedia-Verein erstellt keine Inhalte, sondern fördert diese, arbeitet dafür in drei Feldern. Zur Umsetzung der Vision sei es nötig, Menschen für die Teilhabe an den Projekten zu gewinnen, sie zu unterstützen, um sich „miteinander unter dem Schirm unserer Mission zu verbinden“. Motto: Erkenntnis kommt durch Teilen. Im Technologiebereich gehe es um die Entwicklung von Software und zum Dritten müssen die zivilgesellschaftlichen, politischen und juristischen Rahmenbedingungen entwickelt werden.

Für die unterschiedlichen Aufgaben der ehrenamtlichen Wikimedia-Projekte wurden ganz unterschiedliche Formate entwickelt. Beispiele sind der weltgrößte Fotowettbewerb „Wiki Loves Monuments“ (www.wikilovesmonuments.de), bei dem Freiwillige Bau- und Kulturdenkmäler fotografieren. „GLAM on Tour“ zielt darauf ab, Kulturgüter digital nutzbar zu machen, indem Museen und Bibliotheken sich für Freiwillige der Wikimedia-Projekte öffnen.

 

Projekt Wikipedia

In der freien Enzyklopädie Wikipedia gibt es aktuell 50 Millionen Artikel in etwa 300 Sprachen, täglich kommen 10.000 neue Artikel dazu. Ziel ist es, eine Enzyklopädie in allen Sprachen der Welt zu schaffen. Aktuell gehört Wikipedia zu den Top-5-Websites der Welt. Die deutschsprachige Version (Deutschland, Österreich, Schweiz u. a.) wird monatlich rund 1 Milliarde Mal aufgerufen. Wikipedia lebt von den ehrenamtlichen Autor*innen. Jeder/jede kann mitmachen, auch ohne Anmeldung. Sich einen Account mit einer E-Mailadresse einzurichten, wird jedoch empfohlen. Die sollte jedoch aus Anonymisierungs- und Datenschutzgründen nicht den realen Namen beinhalten. Für Kultureinrichtungen sei es empfehlenswert, über die Wikimedia-Seite einen authentifizierten Account anzulegen, rät Sandra Becker. Damit sei ein höheres Maß an Vertrauenswürdigkeit gegeben.

Für den Anfang ist es sinnvoll, zunächst kleinere Bearbeitungen (Rechtschreibkorrekturen etc.) vorzunehmen. Änderungen von neuen Nutzer*innen werden erst nach einer Mindestanzahl von Edits direkt freigeschaltet, andere müssen durch erfahrene Aktive erst freigeschaltet werden. Zum Erstellen eigener Artikel empfiehlt Sandra Becker, eine persönliche Benutzerseite anzulegen, auf der der Artikel erstellt wird. Nachdem er inhaltlich stimmig und durch Quellen belegt ist, kann er dann vom Benutzerkonto in die Wikipedia verschoben werden. Eine wichtige Frage ist die nach der Unabhängigkeit und Robustheit der Artikel. Dafür sorgen die Belegpflicht und die Wiki-Community. Es sind die Menschen, die Vandalismus, Falschaussagen, unrichtige Informationen und Fake Accounts innerhalb kurzer Zeit entdecken und korrigieren, so Becker. Auch lassen sich Seiten gegen Bearbeitungen schützen und sogar sperren. Autoren und Autorinnen der Wikipedia müssen aber beim Schreiben Urheberrechte, Relevanzkriterien und Quellen beachten und Interessenkonflikte deutlich machen.

Auf die Frage nach der moralischen Glaubwürdigkeit von Quellen erwidert Jan Apel, dass keine Quelle immer zu jeder Zeit moralisch vertrauensvoll und zuverlässig sei. Aber die Nutzer*innen können das nachvollziehen und schauen, ob sie der Quelle vertrauen oder nicht.“ Bei Wikipedia-Einträgen müssen immer Sekundärquellen angegeben werden, einzelne Primärquellen sind nicht zulässig. „Die Informationen, die in Wikipedia sind, verändern sich jeden Tag, und es heißt nicht, dass die Informationen, die sie heute finden, allgemeingültig sind.“ Das sei nicht der Anspruch von Wikipedia, so Apel. Es sei eine „Aushandlung von Informationen“.

Und Sandra Becker lädt ein, Teil der Wiki-Community zu werden: „Du weißt bestimmt etwas, das andere noch nicht wissen. Teile es und werde Autor und Autorin auf der Wikipedia“.

Informationen dazu im Portal Wikipedia:Berlin.

 

Wikimedia Commons

Wikimedia Commons ist seit 2004 das Medienarchiv für die Wikipedia. Es umfasst momentan über 55 Millionen Objekte. Das sind frei lizenzierte Fotos, Grafiken, Dokumente, Audio- und Videodateien, „die für alle anderen Wikimedia-Projekte und die freie Nachnutzung durch jede Person und auch maschinelle Anwendung bereitgestellt werden“.

Besondere Beachtung verdienen hierbei aber die Lizenzbedingungen und Nutzungsrechte. Bilder sind zumeist urheberrechtlich geschützt, oft aber unter Creative-Commons-Lizenzen zur Nutzung freigegeben. So genannte gemeinfreie Bilder, bei denen die Rechte abgelaufen sind, können unkompliziert genutzt werden. Um für die Nachnutzung die notwendigen Lizenz- und Urheberrechtsfragen zu klären, gibt es für Bilder den Lizenzhinweisgenerator (https://lizenzhinweisgenerator.de/).

Die Anwendung soll helfen, „Bilder aus Wikipedia und dem freien Medienarchiv Wikimedia Commons einfach und rechtssicher nachzunutzen.“ Dazu wird die URL des Bildes in die Anwendung eingegeben und es müssen Fragen beantwortet werden, z. B.: Wie wollen Sie das Bild nutzen? Online oder offline? Danach erhält der User den Lizenzhinweis, der kopiert und eingefügt werden kann. Aber: „Die Anwendung kann niemals alle möglichen Anwendungsfälle und Besonderheiten abdecken.“

Denn gerade Urheberrechtsfragen, aber auch die der Motivdarstellung sind kompliziert.

So stellt sich die Frage im Streitfall bei einem argentinischen Bild mit argentinischen Motiven: Welches Recht gilt? Das argentinische oder doch das amerikanische, da die Server in den USA stehen? Die Abbildung nackter Menschen in der Wikipedia, z. B. auch in Kunstwerken, ist in den USA umstritten und hat schon zur Löschung entsprechender Bilder geführt. In Europa ist die Betrachtungsweise eine andere, die Bilder wurden wiederhergestellt. „Die Community ist selbstregulierend“, betont denn auch Martin Rulsch.

Beim Upload von Bildern ist eine Anmeldung erforderlich. Generell müsse besonders auf exakte Angaben zu Nutzungsrechten und zur/zum Inhaber*in geachtet werden. Und „die Beschreibung der Bilder sollte an einer Stelle verortet werden können. Je besser beschrieben – auch mit Metadaten –, desto besser seien sie auch zu finden“.

Beim Hochladen von Bildern gibt es einen Check der Urheber durch Wikimedia Commons. „User, die schon eine Weile dabei sind, genießen dabei aber einen Vertrauensvorschuss was den Persönlichkeitsrechtscheck angeht“. Es werde aber nicht überprüft, ob die Persönlichkeitsrechte von Personen auf den Bildern gewahrt seien. Dafür hafte der-/diejenige, der/die die Bilder hochlädt, erklärt Martin Rulsch.

 

Wikidata

Das 2012 in Berlin gestartete Projekt Wikidata umfasst 59 Millionen lizenzfreie Datenobjekte und 20.000 aktive Benutzer*innen zur Unterstützung aller Wikimedia-Projekte. Bei der Gründung des Projekts kam es darauf an, einen Ort zu schaffen, an dem einzelne Informationen zentral gespeichert werden können, um der sich verändernden Welt Rechnung zu tragen. Daten wie die Einwohnerzahl von Deutschland oder die der verschwundenen Tierarten müssen aktuell gehalten werden – an einem Ort für alle Wikipedia-Sprachen. „Heute ist Wikidata sehr, sehr viel mehr“, beschreibt Jan Apel das Projekt. Es sei immer noch der zentrale Ort für Wikipedia, aber „die Millionen Datensätze sind verknüpft.“ Das kommt beispielsweise den Lexemen zugute. Nicht jedes Wort lässt sich mit einem Wort einer anderen Sprache angemessen übersetzen. „Manchmal brauchen sie 2,5 oder 10 Wörter, um exakt das Konzept dieses Wortes einer Sprache zu erklären“, so Apel. „Und das können sie in Wikidata hinterlegen.“

Entscheidend für Wikidata ist die CC0-Lizenz, sagt Andrea Knabe-Schönemann: „Alle können alles nutzen“. Wikidata ist eine freie Datenbank des Wissens der Welt. Sie bietet beliebig nachnutzbare Inhalte an, die gleichermaßen von Menschen und Maschinen gelesen und gepflegt werden können. „Das Projekt stellt strukturierte Daten in allen Sprachen der Wikimedia-Projekte bereit und erlaubt einen zentralisierten Zugriff (ähnlich wie Wikimedia Commons für Dateien/Bilder)“.

Anhand einer Weltkarte erläutert Jan Apel das Ziel von Wikidata: Daten zu finden und nutzbar zu machen, damit schwarze Flecken in Afrika oder Asien verschwinden und so hell leuchten wie Europa und Nordamerika: „Wir möchten die ganze Welt zum Leuchten bringen.“

Autor: Thomas Prinzler

 

Links 

Wikipedia – Die freie Enzyklopädie

https://wikipedia.de/

Wikidata-Präsentation bei Wikimedia Commons:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2019_08_ein_schneller_blick_auf_wikidata.pdf

 

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Audience Development im Kulturbereich

24. September 2019

Bericht zur kulturBdigital Lab-Veranstaltung, die am 5. September 2019 im Rahmen des 7. Branchentreffs der freien darstellenden Künste in Kooperation mit dem Performing Arts Programm des LAFT Berlin in den Sophiensaelen stattgefunden hat.

Vortrag von Dominika Szope (Zentrum für Kunst und Medien, ZKM)

Wie erreichen Kulturinstitutionen die Menschen in Zukunft am besten? Was müssen sie Besucher*innen bieten, damit sie ein größeres Publikum anziehen? Und wie können sie digitale Hilfsmittel einsetzen, um diese Ziele zu erreichen? Für Dominika Szope, Leiterin der Abteilung Kommunikation und Marketing am Zentrum für Kunst und Medien (ZKM), sind die Antworten auf diese Fragen eng mit einer Analyse der gegenwärtigen Verfassung der Kunst- und Kulturszene verbunden.

Am Anfang ihres Vortrags zum Thema „Audience Development“ steht deshalb eine Zustandsbeschreibung: Genau wie die Wirtschaft und die Politik befindet sich laut Szope auch der Kunst- und Kultursektor in einer Phase der „Disruption“. Auch hier hat der digitale Wandel einen „epochalen Umbruch“ eingeleitet, technologische Entwicklungen gehen immer rasanter vonstatten und das Verhältnis der jüngeren Generationen zur Kultur hat sich nachhaltig verändert. Für Szope liegt in diesem Moment des radikalen Wandels jedoch nicht nur eine Gefahr für den Kulturbetrieb, sondern auch die Chance, sich und sein Verhältnis zu den Menschen neu zu definieren – insbesondere, weil die Kultur im Gegensatz zu anderen Gesellschaftsbereichen den Vorteil hat, „experimentieren und ausprobieren“ zu können.

Wie das gelingen kann, weiß Szope aus ihrer Arbeit für das ZKM, dessen Aufgabe es ist, die „Kunst in das digitale Zeitalter zu überführen“. Als Beispiel für einen innovativen Umgang mit Besucher*innen nennt sie die ZKM-Ausstellung „Open Codes“. Bei dieser wurde der Ansatz gewählt, die Kultureinrichtung als Erlebnis-, Aufenthalts- und Versammlungsort zu denken, und sich damit vom üblichen „passiven“ Ausstellungskonzept zu lösen. Dafür bot man dem Publikum zahlreiche Sitzgelegenheiten, Arbeitsplätze, freien Internetzugang. Wasserspender, Kaffeautomaten, Obst und gesunde Snacks gaben die Möglichkeit, sich auch längere Zeit im Ausstellunsgraum aufzuhalten. Im Zuge des „Bildungsexperiments“ (Peter Weibel) wurde ein kostenloser Eintrtt angeboten. Statt einem Raum im Stile eines „White Cube“, wurde den Menschen also ein Coworking Space angeboten, so Szope. Dies habe den Leuten nicht nur Hemmungen genommen, sich nebenbei mit Kunst und Kultur auseinanderzusetzen, sondern auch für eine gewisse „Selbstverständlichkeit im Umgang mit der Ausstellung“ gesorgt.

Bei der Ausarbeitung des Projekts stand laut Szope vor allem die Erkenntnis im Zentrum, dass man die „Vermittlung“ von Kunst und Kultur weiter denken und den Museums- oder Ausstellungsbesuch vom traditionellen Verständnis des „Sonntagsausflugs“ lösen müsse. Dabei geht es laut Szope aber dezidiert nicht darum, in Museen nur das zu zeigen, was Besucher*innen sehen wollen, sondern vor allem darum, zu erkennen, welche Orientierungshilfen und Angebote sie benötigen, um sich aktiv mit Kunst auseinanderzusetzen und sich freiwillig über sie auszutauschen.

Damit sich ein derartiger Denkansatz in den Kulturinstitutionen durchsetzt, muss sich – geht es nach Szope – jedoch einiges ändern. Dabei sollte der Kulturbereich nicht zuletzt von der freien Wirtschaft lernen, die sich seit jeher stärker am Kunden ausrichtet und oftmals flexibel, schnell und agil arbeitet, wenn sie sich mit veränderten Umständen konfrontiert sieht. „Leadership“ und „Management“ seien deshalb nicht nur einfache Schlagworte, sondern auch im Kulturbetrieb unerlässliche Faktoren, wenn es darum ginge, kulturelle Inhalte wieder für ein breiteres Publikum interessant und vor allem „zugänglich“ zu machen.

 

Vortrag von Prof. Dr. Martin Tröndle (Zeppelin Universität in Friedrichshafen)

Als Inhaber des WÜRTH Chairs of Cultural Production an der Zeppelin Universität befasst sich Martin Tröndle vor allem mit der Produktion und der Rezeption von Kunst und Kultur. Ein besonderes Augenmerk seiner Forschungsarbeit lag dabei in der jüngeren Vergangenheit auf einem Nischenthema, der Nicht-Besucher*innenforschung. In seinem Vortrag geht es deshalb um all diejenigen, die in Debatten rund um das „Audience Development“ gerne unterschlagen werden, also jene Menschen, die weder Theater und Museen noch Konzerte und Opern besuchen.

Doch wer sind die „Nicht-Besucher*innen“ überhaupt? In den Klassikern der Kultursoziologie – unter anderem bei Pierre Bourdieu und Georg Simmel – finden sich auf diese Frage laut Tröndle nur unzureichende Antworten. Oft gehe es dabei um das Konzept der „leisure time“, also die Tatsache, dass die Oberklasse ihre Freizeit im Museum verbringen könne, während „das Proletariat“ arbeiten müsse. Ernsthafte Auseinandersetzungen mit den „Nicht-Besucher*innen“, die über diese und andere vage Vermutungen hinausgehen, suche man nicht nur in der klassischen, sondern auch in der modernen Literatur bis auf wenige Ausnahmen vergebens, so Tröndle.

Für seinen Vortrag zitiert er deshalb vor allem aus seiner eigenen Forschung, die zuletzt auch in dem Buch „Nicht-Besucherforschung: Audience Development für Kultureinrichtungen“ publiziert wurde. Dabei wurden in verschiedenen Studien Nicht-Besucher*innen identifiziert, mittels Fragebögen zu den Gründen für ihre Abstinenz befragt und teilweise auch mit zu Kulturveranstaltungen genommen, um ihre Erwartungen an, Vorteile über und Eindrücke von Theateraufführungen und Konzerten abzufragen.

Zu den wichtigsten Erkenntnissen seiner Forschung gehört dabei laut Tröndle, dass die Faktoren „Zeit“ und „Geld“ eine viel kleinere Rolle in der Entscheidungsfindung spielen, als oftmals angenommen. Vielmehr entscheiden vor allem die persönlichen Präferenzen, die Vertrautheit mit Kulturveranstaltungen und der Einfluss des Freundes- und Bekanntenkreises über Besuch oder Nicht-Besuch. Wolle man zuverlässige Indikatoren dafür, wer Kulturveranstaltungen besuche und wer nicht, dann seien Faktoren wie der „Musikgeschmack“ und das „Studienfach“ etwa aussagekräftiger als der „Bildungshintergrund“ und die „Finanzstärke“. Besonders interessant ist laut Tröndle derweil, dass 96 Prozent der Befragten angaben, „Kultureinrichtungen nur in Begleitung zu besuchen“. Im Endeffekt ginge es für die Menschen also darum, geeignete Partner*innen für Kulturevents zu finden. Die qualitativen Ergebnisse legten derweil nahe, dass Nicht-Besucher*innen genaue Vorstellungen davon haben, wie kulturelle Institutionen auszusehen haben und was in ihnen gespielt wird.

Nimmt man all diese Erkenntnisse zusammen, dann müsse es, so Tröndle, für Kulturinstitutionen in Zukunft vor allem darum gehen, „Nähe“ zu den Besucher*innen aufzubauen. Man müsse sich fragen, wie Kunstorte zu Begegnungsorten werden können und wie man mehr Kontakt zu den Menschen herstelle –  sei es durch die Themenauswahl, die Dramaturgie oder selbst oberflächliche Gesichtspunkte wie die Gestaltung von Räumlichkeiten, die mehr Austausch und Immersion ermöglichen.

 

Diskussionsrunde

 In der direkt an die Vorträge anschließende Diskussionsrunde bekommen die Zuhörer*innen eine Gelegenheit, ihre Nachfragen zu stellen und eigene Erfahrungen zum Thema „Audience Development“ einzubringen. Besonders interessiert sind viele Teilnehmer*innen an der Frage, welche Methoden Kulturinstitutionen anwenden könnten, um besser mit Besucher*innen und Nicht-Besucher*innen in Kontakt zu kommen. Dominika Szope findet, dass (Werbe-)Strategien in Hinblick auf das Audience Development immer flexibel gehalten werden sollten und dass es keine allgemeingültigen Ansprachemethoden geben kann. Zudem müssten auch Kurator*innen bei ihrer Arbeit in Zukunft ein besseres Auge für das potenzielle Publikum haben, ohne dabei die eigene Linie zu verlieren.

Für viel Diskussion sorgt auch die Frage, wie Menschen in Zukunft für den Besuch von Kulturveranstaltungen „gematcht“ oder auf andere Art und Weise zusammengebracht werden können – insbesondere vor dem Hintergrund von Martin Tröndles Forschung und der Erkenntnis, dass viele der „Nicht-Besuche“ vor allem durch einen Mangel an passender Begleitung zu erklären sind. Ein Vorschlag aus dem Publikum ist eine Dating-App, die Menschen über das gemeinsame Interesse an ähnlichen Kulturveranstaltungen zusammenbringt. Eine Teilnehmerin, die bereits an einer solchen Software mitarbeitet, berichtet, dass diese bisher gut angenommen wird. Auch Martin Tröndle glaubt, dass ein derartiger Ansatz von Erfolg gekrönt sein könnte, allerdings nur, wenn „möglichst viele Leute, am besten in ganz Europa“ miteinander vernetzt werden. Nicht alle der Anwesenden sind jedoch davon überzeugt, dass ein solches Format am Ende auch wirklich mehr Menschen an den Kulturbetrieb binden würde. Ein Mitarbeiter der „Komischen Oper“ berichtet, dass es schon um die Jahrtausendwende ähnliche Versuche gegeben habe, damals noch durch „analoge“ Singleparties im Anschluss an Theateraufführungen. Diese hätten jedoch nur einen Bruchteil der durch die Parties angelockten Besucher*innen dazu gebracht, im Endeffekt auch die kulturellen Angebote wahrzunehmen.

Die Räumlichkeiten von Theatern, Opern und Konzerthäusern für mehr Austausch unter den Besucher*innen und im Sinne von „mehr Nähe“ zum Publikum zu öffnen, halten fast alle Teilnehmer*innen für eine gute Idee. In der Praxis stoßen viele Häuser damit jedoch an ihre Grenzen, da es – so einer der Teilnehmer – oft viel zu teuer ist, „das Foyer noch stundenlang offenzulassen“ oder weil die Räumlichkeiten gar komplett umgebaut werden müssten, um ein entsprechendes Beisammensein zu ermöglichen. Auch für das Angebot von kostenlosem Catering oder anderen „Gimmicks“, wie von Dominika Szope in ihrem Vortrag angesprochen, fehle es ohne Sponsoren oftmals an den nötigen Mitteln.

 

Resümee / Kurzzusammenfassung

Streamingdienste, Online-Bibliotheken, Musikplattformen: Die Liste der digitalen Angebote, die seit einigen Jahren mit althergebrachten Kulturinstitutionen um Besucher*innen konkurrieren, ist lang. Umso dringlicher müssen sich Museen, Theater, Opern und andere Einrichtungen fragen, wie sie ihr Stammpublikum an sich binden und neue Besucher*innen für ihre Programme interessieren können. Wie die Informationsveranstaltung zum Thema „Audience Development“ der Technologiestiftung Berlin in den Sophiensälen in Berlin-Mitte zeigte, besteht für die meisten Kulturinstitutionen auf diesem Feld noch viel Nachholbedarf. Während in der freien Wirtschaft längst der Kunde König ist und kreative Marketingstrategien gefahren werden, hat sich der Kulturbereich lange geweigert, die Präferenzen von Besucher*innen überhaupt mitzudenken.

Wie die Vorträge von Dominika Szope (Zentrum für Kunst und Medien) und Martin Tröndle (Zeppelin Universität) verdeutlichten, muss dies jedoch nicht bedeuten, dass der Kunst- und Kulturbereich der potenziellen Besucherschaft in Zukunft nach dem Mund redet. Wohl aber müssen die Verantwortlichen erkennen, dass es nicht nur die Qualität des von ihnen vorgelegten Programms ist, das über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, sondern auch die Frage, wie „zugänglich“ Veranstaltungen für Besucher*innen sind. Die Frage, wie Kulturinstitutionen mehr „Nähe“ zum Publikum erreichen können, sollte in Zukunft ernster genommen werden – und das nicht nur in der Auswahl und Ausarbeitung von Inhalten, sondern auch in der Gestaltung von Räumlichkeiten und der Schaffung neuer (vielleicht auch digitaler) Vernetzungsangebote. Von „Kultur-Apps“ über Social-Events im Theater bis hin zu Museen als Coworkingspaces: Kulturelle Einrichtungen werden in Zukunft deutlich kreativer sein müssen, wenn es darum geht, Besucher*innen für sich zu gewinnen. Gerade im Wettstreit um die Aufmerksamkeit der jüngeren Generationen wird es dabei auch darum gehen, Angebote zu schaffen, die Museums- und Theaterbesuche vom Stigma des „Sonntagsausflugs“ lösen und sie wieder in die Mitte der Gesellschaft rücken. Dafür gilt es jedoch sowohl kreativer mit digitalen Angeboten umzugehen, als auch anzuerkennen, dass das einfache Bereitstellen von Ausstellungsraum nicht mehr genügt, um Menschen zu begeistern.

Autor: Kai Schnier

 

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Trailerproduktion für das Kulturamt von Steglitz-Zehlendorf

12. September 2019

Blogbeitrag von Lukas Heger

Wir, der Fachbereich Kultur Steglitz-Zehlendorf, auch geläufig als Kulturamt von Steglitz-Zehlendorf, verantworten das mehrspartige Kulturprogramm in der Schwartzschen Villa und im Gutshaus Steglitz. So finden in den beiden Häusern jährlich mehrere hundert Kulturveranstaltungen im Bereich zeitgenössischer Kunst, Musik hauptsächlich klassischer Genres, Lesungen, Kindertheater und regionalhistorischer Ausstellungen statt. Dieses Kulturprogramm in seinem Umfang und seiner Vielfalt abzubilden und mit zeitgemäßen Mitteln zu vermarkten war und ist für uns eine Herausforderung. Im Bereich digitaler Vermarktungsmöglichkeiten wurden bereits Anstrengungen unternommen, um zusätzliche Kanäle und Services in die Öffentlichkeitsarbeit zu integrieren. Besonders hinsichtlich der eigenständigen Produktion von Bild- und Tonmaterial mangelt es uns jedoch an Erfahrung und technischer Ausstattung. Mit entsprechend großem Interesse haben wir daher die Ausschreibung der Technologiestiftung wahrgenommen und uns nach erfolgreicher Bewerbung sehr über die Ermöglichung einer professionellen Trailerproduktion durch die Technologiestiftung und die Filmfirma Karcho GmbH gefreut.

 

 

Die Abläufe vom ersten Konzeptionsgespräch bis hin zur Veröffentlichung waren sämtlich sehr gut organisiert und an unseren Wünschen und Bedürfnissen orientiert. Timm und Daniel von Karacho verschafften sich ein genaues Bild von unserer Arbeit, den Veranstaltungsorten und dem aktuellen Stand unserer Öffentlichkeitsarbeit und passten ihr Konzept auf dem gesamten Produktionsweg immer wieder unseren Wünschen an. Die Hauptideen, die der Trailer abbilden sollte, waren Aspekte wie Programmvielseitigkeit, architektonische Besonderheiten der historischen Gebäude und die bei den Veranstaltungen entstehende und fühlbare Authentizität und Nähe zwischen Künstler*innen und Besucher*innen. Diese Besonderheiten wurden u.a. durch spezielle Kameraeinstellungen und Perspektiven sowie Interviews mit Künstler*innen filmisch umgesetzt. Die ursprünglich geplante Länge von 45 Sekunden wurde angesichts dieser Punkte erweitert, der Trailer bietet nun einen Einblick von 2:20 Minuten und trägt damit Facetten eines Imagefilms.

Wir verwenden den Trailer zur Einbettung auf unserer Webseite, zur Veröffentlichung in unseren sozialen Mediennetzwerken und in unserem Newsletter. Weiterhin eruieren wir die Möglichkeit, den Trailer für Werbemaßnahmen zu verwenden. Hierfür wären weitergehende Bearbeitungen notwendig, da sich die Länge von knapp zweieinhalb Minuten nur bedingt für Werbezwecke eignet. Er fügt sich nichtsdestoweniger gut in die vorangegangenen (und folgenden) Bemühungen im Onlinebereich ein und sorgt so für eine stärkere und positiv veränderte Wahrnehmung unserer Veranstaltungshäuser und unserer Arbeit als Fachbereich. Daher können wir anderen Einrichtungen die Konzeption und Umsetzung von filmischen Ideen als Marketingelement empfehlen, wohlwissend, dass die technischen und personellen Strukturen hierfür entsprechend vorhanden sein müssen.

 

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Rundumpaket zur Erstellung von Bewegtbildern – kulturBdigital Lab

25. Juli 2019

Nach intensiven Gesprächen, Diskussionen und Workshops mit vielen Kulturschaffenden hat sich herauskristallisiert, dass u.a. ein großer Bedarf für den Einsatz digitaler Technologien bei dem Thema „Auffindbarkeit“ besteht. Um Aufmerksamkeit zu generieren, eignen sich Videos besonders gut, da bspw. Videos die Verweildauer auf der eigenen Website erhöhen, sich dementsprechend positiv auf SEO auswirken und viele Informationen schnell und kompakt übermittelt werden können.

Doch wie gut kommen Videos in Kommunikationsstrategien von Kulturschaffenden in Berlin an? Welche Unterschiede herrschen zwischen selbst- und professionell erstellten Bewegtbildern? Was für Zielgruppen können erreicht werden? Was ist darüber hinaus aus strategischer Sicht zu beachten und welche Vorteile bringen Videos allgemein mit sich?

Im Rahmen des kulturBdigital Labs wurden in diesem Kontext verschiedene Projekte, Veranstaltungen und Informationsmaterialien angeboten, um den Themenkomplex aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten und die obenstehenden Fragen zu beantworten:

 

09.01. – 19.06.2019: Professionelle Trailerproduktionen mit Kulturschaffenden

Vom 09.01. – 28.01.2019 konnten sich Berliner Kulturschaffende für professionelle Trailerproduktionen bewerben. Aus den verschiedenen Bewerbungen wurden durch die Technologiestiftung Berlin in Kooperation mit der Senatsverwaltung für Kultur und Europa fünf verschiedene Einrichtungen
(Zimmer 16, Haus der Wannseekonferenz, Stadtbibliothek Mitte, Georg Kolbe Museum und Kulturamt Steglitz-Zehlendorf) aus unterschiedlichen Sparten ausgewählt, die mithilfe von Videoproduzent*innen jeweils einen professionellen Trailer drehen konnten. Durch den Einsatz verschiedener Videoproduzent*innen sollten unterschiedliche Herangehensweisen, Stile und Kommunikations- sowie Produktionsabläufe deutlich werden.

Welche Unterschiede es von Einrichtungs- und Videoproduzent*innen-Seite gab, könnt ihr auf dieser Website bald nachlesen.

Den fertigen Trailer inkl. eines von der Einrichtung eigens verfassten Blogbeitrags könnt ihr bereits von der Stadtbibliothek Mitte und dem Zimmer 16 anschauen und nachlesen.

 

18. & 19.03.2019: Workshop „TV aus der Hosentasche – Smartphone Video Kurs“
mit Steven Siebert von Movact

  • Inhalte der beiden Workshops waren:
    • 1×1 des Films
    • Das Smartphone wird zur Filmkamera? Wie geht das?
    • Welchen Mehrwert bietet mir eine durch audiovisuelle unterstützte Kommunikation?
    • Blick in die Praxis
  • Wie das Smartphone zur Filmkamera wird, erfahrt ihr in diesem Blogbeitrag.

 

03.04.2019: Leitfaden für die Webvideo-Erstellung
mit Timm Straßheim von KARACHO Film

  • Inhalte, der Veranstaltung waren:
    • Emotionen. Nutzer*innenverhalten –> Vor- und Nachteile von Videos
    • Vorstellung von Videoarten und Zielen
    • Strategische Vorbereitung für die Videoagentur oder die Eigenproduktion
    • Aufwände einer Videoproduktion anhand von Praxisbeispielen
    • Videoseeding – Verbreitung von Webvideos anhand eigener Kanäle und ggf. bezahlter Videoanzeigen
  • Den Leitfaden könnt ihr euch hier herunterladen.

 

Die verschiedenen Formate bieten somit ein Rundumpaket, um die Planung, Erstellung und Nutzung audiovisueller Inhalte besser kennenzulernen – egal ob für selbsterstellte oder professionell gedrehte Videos.

 

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Zimmer 16 – Trailer

18. Juli 2019

Als Anfang Februar 2019 der Anruf kam, dass unsere Bewerbung für die Erstellung eines Videotrailers honoriert wurde, war die Freude groß. Die Kleinkunstbühne “Zimmer 16” wird seit mehr als 17 Jahren als Kulturprojekt vom Förderverein MIKADO e. V. betrieben. Ohne jegliche Subvention wird in Alt-Pankow ein anspruchsvolles kulturelles Angebot von einem sehr engagierten Team geplant, organisiert und abgesichert. Die ehrenamtlichen Mitglieder des heutigen Teams (Vereinsmitglieder und Nichtvereinsmitglieder) sind mit viel Freude dabei. Um es vorwegzunehmen: diese Atmosphäre wird im Trailer deutlich.

- ein Beitrag von Annette Schulz, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Zimmer 16

Videoproduktion: Falko Seidel

Das Projekt kulturBdigital gab Berliner Kultureinrichtungen aus ganz unterschiedlichen Sparten und Bereichen die Möglichkeit, sich für die Erstellung eines Trailers zu bewerben. Da wir noch keinen eigenen audiovisuellen Content für die Öffentlichkeitsarbeit entwickelt hatten, war das unsere Chance. Wir sollten begründen, warum wir bei diesem Projekt mitwirken wollen und eine erste Ideenskizze für einen Trailer einreichen. Praxisnah wurde auch die Möglichkeit eingeräumt, darzulegen woran es bisher gescheitert war, eigene Ideen zu entwickeln. Für ein Brainstorming unter den Ehrenamtlichen fehlte bisher die Erfahrung.

Zuallererst wurden wir gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, mit dem professionellen Filmemacher Falko Seidel zusammenzuarbeiten. Aufgrund seiner Arbeitsbeispiele und seines Lebenslaufes auf seinen Webseiten hatten wir den Eindruck, dass Falko Seidel der Richtige war. Wir verabredeten ein Kennenlerntreffen mit ihm und Jessica Frost von der Technologiestiftung vor Ort im “Zimmer 16”. Wir berichteten über das reichhaltige Veranstaltungsspektrum und erzählten vom Wohlfühlfaktor. Publikum und Künstler*innen kommen wegen der fantastischen Akustik und dem ehrenamtlichen Team, das sich als Gastgeber versteht und (Musik)Kultur lebt, gerne ins “Zimmer 16”. Wir waren uns sicher, dass wir auf eine Mitarbeit der Besucher*innen und Künstler*innen an der Trailerproduktion rechnen konnten.

Falko Seidel kam ziemlich schnell mit einer Ideenskizze, die den Nagel auf den Kopf traf. Zum Lied von Frank Viehweg “Solange man singt, ist doch noch nicht alles verlor’n” sollte nur mit Bildern eine Geschichte erzählt werden. Frieda, unsere ehrenamtliche Barkeeperin, träumt während ihrer Arbeit davon, auch mal auf der Bühne zu stehen. 2 Drehtermine wurden abgesprochen. Nachdem alles im Kasten war, kam die Nachricht, dass wir im Rahmen des Projektes keine GEMA-pflichtige Musik verwenden durften. Bei dem ausgewählten Song war das leider der Fall und so suchten wir schweren Herzens nach einer GEMA-freien Ersatzmusik. Uns vom Verein fiel nichts Passendes ein, aber Falko machte einen Vorschlag. Gleichzeitig präsentierte der Filmemacher die erste Version des Werbefilms für unsere Kleinkunstbühne.

Bei den meisten Mitstreiter*innen kam der Trailer gut an, aber es gab auch heftige Diskussionen. Einige fanden z. B. die Geschichte mit der Barfrau zu dominant, dafür zu wenig vom tollen VA-Programm zurückzusehen. Diese Diskussionen zeigten, mit welchem Herzblut die Ehrenamtlichen für ihre Kleinkunstbühne in Aktion sind. Falko Seidel drehte Szenen nach, kürzte die dargestellte Geschichte, machte sozusagen den Feinschliff. Es blieb zum Glück für die Befürworter der Trailer, der perfekt die gemütliche Atmosphäre abbildet.

 

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Stadtbibliothek Berlin-Mitte – Trailer

27. Juni 2019

Als wir von der Möglichkeit hörten, einen Trailer für unsere Bibliotheken professionell erstellen lassen zu können und somit qualitativ-hochwertiges Videomaterial zu Werbezwecken zu bekommen, haben wir nicht lange gezögert. Schnell gründete sich eine kleine Arbeitsgruppe, die in kurzer Zeit den Bewerbungsbogen ausfüllte und ein erstes Storyboard mit unseren Ideen und Vorstellungen zusammenstellte. Als wir dann die Zusage erhielten, war die Freude groß: so eine Gelegenheit ergibt sich nicht jeden Tag!

Videoproduktion: Karacho GmbH

Viel Zeit zum Feiern gab es allerdings nicht, denn es ging gleich Schlag auf Schlag los. In einem ersten Gespräch mit der Filmproduktionsfirma Karacho und im Beisein der Technologiestiftung wurden unsere Vorstellungen besprochen, Möglichkeiten erörtert und erste Ideen für ein konkreteres Storyboard gesammelt. In einem zweiten Treffen wurden uns dann mehrere, von der Produktionsfirma entwickelten alternative Konzepte für einen Trailer vorgestellt und in einem kurzen Prozess abgestimmt. Nun, da das Storyboard feststand, ging es an die ganz konkreten Sachen wie: Statist*innen für die einzelnen Szenen finden, Requisiten besorgen und den Drehtag selber vorbereiten. Auch wenn die Länge des Videos mit knapp 45 Sekunden doch recht kurz erscheint, haben wir dafür einen ganzen Tag eingeplant.

Am Drehtag selber lief dann, durch die gut begleitete Vorbereitung und einiger Detailbesprechungen mit der Produktionsfirma, alles wie geplant: die Kolleg*innen, die als Statist*innen mitwirkten, waren pünktlich und motiviert vor Ort, die verschiedenen Szenen wurden nach und nach mit professioneller Anleitung abgearbeitet und so entstand an einem langen, aber sehr schönem Tag das Rohmaterial für unseren Trailer. Nun folgte eigentlich der für uns schwierigste Teil: warten auf das Endprodukt!

In der Endproduktion verlieh das Team der Produktionsfirma dem Ganzen nochmal den Feinschliff, packte alles in einen schönen Rahmen und setzte dann auch noch einen musikalischen Hintergrund. Auch kleinere Verbesserungswünsche von uns wurden berücksichtigt und verarbeitet. Als wir das fertige Endprodukt endlich sehen konnten, waren wir alle schwer begeistert: so gut hätten wir es mit unseren eigenen Ressourcen wohl nie hinbekommen! Wirklich alle Beteiligten waren am Ende wunschlos glücklich.

Schnell setzten wir den entstanden Trailer bei uns in den sozialen Medien ein, wo er in kurzer Zeit bis zu 1000 Menschen erreichte: für die Stadtbibliothek Berlin-Mitte eine bemerkenswerte Zahl! Er ist auf der Homepage repräsentativer Stelle zu sehen, läuft in unseren Bibliotheken auf den Info-Bildschirmen und wir können ihn auch bei verschiedensten Veranstaltungen zur Vorstellung unserer Einrichtung nutzen.

Alles in allem hat sich der Einsatz von fünf Kolleg*innen in der Planungsgruppe und zwölf als Statist*innen mit insgesamt 40 Personenstunden für unseren Trailer gelohnt! Durch die hervorragende Begleitung der Technologiestiftung und der professionellen Arbeit der Filmproduktionsfirma haben wir in kurzer Zeit ein tolles Ergebnis erzielt und freuen uns, dieses weitgefächert einsetzen zu können!

Beitrag von Jacqueline Banford und Carola Papendorf – Philipp-Schaeffer-Bibliothek

 

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Digital Mindset – Veranstaltungszusammenfassung

11. Juni 2019

Onlinearbeit, Robotisierung, Algorithmisierung: In vielen Branchen – und insbesondere in der freien Wirtschaft – ist der digitale Wandel längst in vollem Gange. Wie die Informationsveranstaltung zum Thema „Digital Mindset“ der Technologiestiftung Berlin im Neuköllner aquarium zeigte, hinkt der Kulturbetrieb dieser Entwicklung jedoch noch teilweise weit hinterher. Während anderswo schon moderne Kommunikations-Tools und Datenmanagementsysteme zum Einsatz kommen, arbeiten kulturelle Institutionen – von städtischen Theatern bis zu alternativen Veranstaltungshäusern – oftmals noch immer analog.

 

Wie die Vorträge von Sabrina Apitz (Kulturprojekte GmbH) und Danilo Vetter (Stadtbibliothek Pankow) verdeutlichten, liegt dies zum einen an einem akuten Mangel an finanziellen Mitteln und geeigneter Software. Zum anderen aber auch an einem fehlenden „Digital Mindset“ in Kollaborationen, Netzwerken und Institutionen. Dabei sind es nicht nur Angestellte und Freelancer, die sich nur langsam daran gewöhnen, das Digitale in der alltäglichen Arbeit in Kunst- und Kulturbereich mitzudenken, sondern – so sind sich die meisten Teilnehmer*innen der Veranstaltung einig – oft auch die Chefetagen, denen es an einem Bewusstsein für die Notwendigkeit neuer und agilerer Arbeitsprozesse mangelt.

Viel Bedarf gibt es innerhalb des Kulturbetriebs deshalb vor allem in Hinblick auf Fortbildungen zum Thema Digitalisierung, mehr Vernetzung untereinander und neue und finanzierbare Programme zur Datenverarbeitung. Wie kann ein kleines Theater ein einfaches digitales Abrechnungssystem aufbauen? Welche Software lässt sich am besten nutzen, um Theateraufführungen zu archivieren? Und wie lässt sich in allen diesen Fragen der Datenschutz mitdenken? Diese und andere Fragen beschäftigen die Berliner Kulturschaffenden quer durch die Bank – und pragmatische und kostengünstige Lösungen sind bisher nur schwer zu finden. Umso mehr Hoffnung setzen die Beteiligten u.a. in die Pläne der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, deren Innovationsfonds ab 2020 die nötigen Mittel für die Digitalisierung des Kulturbereichs bereitstellen soll.

Vortrag von Sabrina Apitz (Kulturprojekte Berlin GmbH/EGfKA/Berliner Gazette)

Mit welchen digitalen Hilfsmitteln lassen sich Arbeitsprozesse in Zukunft verbessern? Wie beeinflusst die Technik unsere Kommunikation? Und was bedeutet die Digitalisierung für den Kunst- und Kulturbereich? Mit diesen und ähnlichen Fragen setzt sich Sabrina Apitz schon seit geraumer Zeit auseinander: früher als freiberufliche Projektmanagerin und Kuratorin, heute als Koordinatorin des Kulturförderpunkts der Kulturprojekte GmbH des Landes Berlin. In ihrem Vortrag geht es dementsprechend vor allem darum, wie sich „Offline“- und „Online-Arbeit“ besser verzahnen lassen und inwiefern ein „Digital Mindset“ der Mitarbeiter*innen eine Grundvoraussetzung dafür sein kann.

Das Digital Mindset versteht Apitz dabei als eine Kombination mehrerer Grundhaltungen, unter anderem einer Neugier für digitale Entwicklungen, einer gewissen Toleranz und Akzeptanz gegenüber ohnehin unvermeidbaren technologischen Innovationen und einer natürlichen Offenheit für prozessorientiertes Arbeiten. Es geht an dieser Stelle also weniger um konkrete Fähigkeiten als um eine Denkweise, die den Nährboden für die Digitalisierung am Arbeitsplatz bereitstellen kann. „Um digitale Impulse zu setzen, braucht es kein Skillset, sondern ein Mindset“, so Apitz.

Die Frage, warum Institutionen sich überhaupt mit einem „digitalen Kulturwandel“ beschäftigen sollten, beantwortet Apitz derweil mit einem Verweis auf die potenziellen Vorteile digitaler Hilfsmittel. Diese können mehr Autonomie und Mitbestimmung der Arbeitnehmer*innen schaffen, für mehr Transparenz innerhalb von Organisationen sorgen und diesen eine bessere Innen- und Außenkommunikation ermöglichen. Als Beispiel für letzteres nennt Apitz etwa die digitale Weiterverbreitung von Audio- und Film-Mitschnitten von Aufführungen, Ausstellungen oder anderen Performances, mit Plattformen wie SPECTYOU (www.spectyou.com), die Zugänglichkeit einzelner Kunstsparten bereits nachhaltig revolutioniert haben.

Klar ist für Apitz aber auch, dass ein digitaler Kulturwandel sowohl Arbeitnehmer*innen als auch Führungsetagen richtig vermittelt werden muss. Oft mangelt es an der richtigen Kommunikation, etwa dann, wenn nicht das gesamte Team von Anfang an in den Veränderungsprozess eingeschlossen wird, zu viele Digitalisierungsschritte auf einmal umgesetzt werden sollen oder Verantwortlichkeiten nicht klar geregelt sind. Laut Apitz ist „Kommunikation deshalb die Voraussetzung dafür, dass die Leute am Arbeitsplatz sich abgeholt fühlen“. Um digitale Anwendungen in der Kommunikation, im Management und der Verwaltung effektiv umzusetzen, ist es dementsprechend von zentraler Bedeutung frühzeitig ein Bewusstsein für die Dringlichkeit des Wandels zu schaffen, klare Verantwortlichkeiten einzuteilen, Hindernisse zu identifizieren und kurzfristige Erfolge sichtbar zu machen.

 

Videoproduktion: Technologiestiftung Berlin/Michael Scherer

 

Vortrag von Danilo Vetter  (Stadtbibliothek Pankow)

Als Leiter der öffentlichen Bibliotheken des Berliner Bezirks Pankow gestaltet Danilo Vetter die Digitalisierung des Bibliothekbetriebs maßgeblich mit. Nicht zuletzt deshalb beschäftigt er sich in seinem Vortrag primär damit, wie digitaler Wandel im Kulturbereich – und insbesondere im Bibliothekswesen – praktisch umgesetzt werden kann. Zu Beginn stellt Vetter fest, dass der digitale Wandel im Allgemeinen immer schneller voranschreitet: „2007 tauchten hierzulande die ersten Smartphones auf. Heute, zwölf Jahre später, besitzen bereits 81 Prozent der über 14-Jährigen ein solches Gerät!“ Ähnlich rapide ist die Entwicklung in Hinblick auf die öffentlichen Bibliotheken gewesen. Durch die Entstehung großer Online-Plattformen wie YouTube, Spotify und Netflix haben sie ihr Alleinstellungsmerkmal verloren und sind längst nicht mehr die einzigen Institutionen, die Ausleih- und Archivierungsaufgaben übernehmen können. Zudem haben die Bibliotheken laut Vetter „spätestens mit der Gründung von Wikipedia auch ihr Wissensmonopol verloren“.

Wenn GoogleBooks Buchbestände digitalisiert, auf YouTube pro Stunde 400 Stunden Videomaterial hochgeladen werden und Amazon mittels Kindle den Buchverleih erobert, dann müssen sich die Bibliotheken fragen, welche Rolle für sie noch übrig bleibt. Wie können sie sich im digitalen Raum behaupten? In dieser Frage verweist Vetter zum einen auf die bereits geleistete Modernisierung im Bibliothekswesen: die Einführung von Online-Katalogen, Lieferservices, Selbstverbuchungs-Programmen, Online-Bezahlmodellen und digitalen Serviceangeboten wie dem Musikdienst „freegal“ dem Filmportal „filmfriend“ und der Kinderbuch-App „tigerbooks“. Zum anderen führt er die Kurt-Tucholsky-Bibliothek im Bötzowkiez als Paradebeispiel für einen gelungenen Transformationsprozess an.

Bei diesem Projekt war laut Vetter, der bei der Modernisierung der Bibliothek federführend gewesen ist, vor allem die Erkenntnis hilfreich, dass „die Gemeinschaft der Menschen, die das Umfeld der Bibliotheken nutzen, im digitalen Zeitalter wichtiger ist als der eigentliche Bibliotheksbestand“. Neben diesem Credo haben sich im Zuge der Modernisierung vier weitere wichtige Leitprinzipen bewährt: (1) Die öffentlichen Bibliotheken müssen als Ort und nicht nur als Entleihstation interessant sein, (2) es muss um Partizipation statt Fachexpertise gehen, (3) man sollte die Gäste als Pro- und nicht als Konsument*innen verstehen und (4) zunehmend Lizenzen statt haptischer Medien vergeben. Bei der digitalen Transformation der Kurt-Tucholsky-Bibliothek haben sich laut Vetter zudem auch Leitlinien wie Trial-and-Error statt Perfektion, Kommunikation statt Ausschluss und agile Arbeitsprozesse statt hierarchische Organisation bewährt. Die Grundsatzfrage „Wo fühlen sich die Menschen wohl?“ stand zudem immer im Zentrum der Arbeit. Die Benutzer*innenbedürfnisse waren die Grundlage für die angestrebten Veränderungen – und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen und Anwohner*innen wurden mit ins Boot geholt. Angebote wie eine Gaming-Ecke mit Playstation, ein Coding-Workshop, ein Kinobereich, ein Gemeinschaftsareal und eine „Bibliothek der Dinge“ wurden allesamt im Dialog mit den Nutzer*innen entworfen. Nicht zuletzt deshalb haben sich die Besucher*innenzahlen der Kurt-Tucholsky-Bibliothek bis heute fast verdoppelt, so Vetter.

Videoproduktion: Technologiestiftung Berlin/Michael Scherer

 

Diskussionsrunden

In den direkt an die Vorträge anschließenden Diskussionsrunden bekommen die Zuhörer*innen eine Gelegenheit, ihre Nachfragen zu stellen und eigene Erfahrungen zum Thema Digitalisierung im Kulturbereich und „Digital Mindset“ einzubringen. Beide Gruppen sind dabei äußerst divers: Dramaturg*innen, Designer*innen, Senatsmitarbeiter*innen, Eventmanager*innen, Pädagog*innen und viele andere Kulturschaffende sind vertreten.

Bei Sabrina Apitz geht es vor allem um die Frage, wie digitale Hilfsmittel die Kommunikation und Organisation innerhalb von Unternehmen und Vereinen verbessern können. Mehrere Teilnehmer*innen berichten von veralteten Strukturen und einem zerstückelten Projektmanagement, das auf verschiedenen Tools wie Dropbox, GoogleDrive und Skype beruht, aber nicht gut integriert ist. Einige interessieren sich auch für konkrete Programme zur Datenverarbeitung und Abrechnung – etwa für den Gastronomiebereich oder die Personalverwaltung am Theater. Zudem sind sich alle einig, dass die Digitalisierung im Kulturbetrieb oftmals gerade an den Chefetagen scheitert, die jegliches „Digital Mindset“ vermissen lassen und oftmals noch sehr „analog“ denken, oder dem Bereich „Online“ zu wenig Wichtigkeit und/oder Ressourcen beimessen.

Sabrina Apitz hält es in all diesen Fragen für notwendig, die richtigen Prozesse für den digitalen Wandel zu finden. „Die Chefs kann man ja nicht links liegen lassen und deshalb geht es vor allem darum, Mitstreiter*innen zu finden und hartnäckig zu bleiben“, sagt sie. Schade ist derweil, dass viele der bekannten Projektmanagement-Tools wie yesplan, KOKOS.event und theasoft, die sich für den Kulturbetrieb eignen, weiterhin teils ausgesprochen teuer sind und immer noch viel zu selten die spezifischen Bedürfnisse einzelner Sparten abdecken. Bevor es hier keine breitangelegte Initiative gibt, können laut Apitz wohl weiterhin nur Kombinationen von digitalen Anwendungen Abhilfe schaffen.

 

In der Runde von Danilo Vetter geht es derweil vor allem um den Unterschied zwischen digitalen Transformationsprozessen innerhalb von freien Kollaborationen und in der Verwaltung. „Im öffentlichen Dienst gibt es natürlich viel mehr Barrieren, aber auch hier ist Veränderung möglich“, sagt Vetter dazu. Er glaubt, dass partizipative Methoden und Kooperationen mit Expert*innen sowohl im öffentlichen Dienst als auch im Privatsektor wegweisend sein können, es aber auch wichtig ist, die „Stakeholder“ mit in den digitalen Wandel einzubeziehen. Im Bibliotheksbereich ist es gerade die Kritik von ehemaligen Nutzer*innen und Nichtnutzer*innen, aus der viele gute Ideen hervorgegangen sind.

Vetter hält zudem fest, dass Veränderungen am Arbeitsplatz und digitale Innovationen immer auf Opposition treffen werden, egal ob im Privatsektor oder im öffentlichen Dienst: „Es gibt immer rund 15 Prozent der Mitarbeiter*innen, die Veränderungen skeptisch sehen. Mir geht es aber vielmehr darum, die Mitte zu verschieben, anstatt meine Zeit mit den Nörgler*innen zu verschwenden.“ Auf die Nachfrage, ob man sich also über die Gegenwehr einiger Kolleg*innen hinwegsetzen müsse, antwortet Vetter: „Schock und Widerstand sind ganz normal, aber man kann die Mitarbeiter*innen auch ganz langsam an neue Prozesse gewöhnen.“ Will man etwa ein Management-Tool wie den Online-Dienst „Trello“ am Arbeitsplatz einführen oder einen Kommunikationskanal wie Instagram nutzen, dann kann es sich lohnen, zuerst „Verbündete“ dafür zu gewinnen und den Rest der Mitarbeiter*innen ganz langsam mit ins Boot zu holen. Zu bedenken ist außerdem, dass selbst die meisten „Verweiger*innen“ im Privaten schon digital unterwegs – sei es mit Smartphone, Netflix oder anderen Diensten. „Der Arbeitsplatz sollte also keine Ausnahme bleiben, wenn es darum geht, sich mit neuen Technologien vertraut zu machen“, so Vetter.

Eine Veranstaltung der Technologiestiftung Berlin im Rahmen des kulturBdigital Labs in Kooperation mit dem Performing Arts Programm des LAFT Berlin.

Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Mit freundlicher Unterstützung des Performing Arts Festival Berlin.

 

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Culture meets Coder

4. Juni 2019

Wie kommen Kulturschaffende und Digitalisierungs-Expert*innen zusammen? Unser Projekt kulturBdigital bringt Kulturschaffende mit interessierten Techies, Developer*innen, Datenvisualisierer*innen, Interfacedesigner*innen, Produktdesigner*innen, UX/UI-Designer*innen & Co – kurz: Designer*- und Entwickler*innen zusammen. Gemeinsam sollen die interdisziplinären Teams jeweils eines von fünf digitale Herzensprojekten verwirklichen, die Kulturschaffenden bei der täglichen Arbeit unterstützen können.

Für die Umsetzung der Projekte stehen jeweils bis zu 10.000 Euro zur Verfügung. Die Projektlaufzeit endet im Dezember 2019.

 

Kurzvorstellung Projekte

Interaktion auch nach der (virtuellen) Inszenierung

Das ATZE ist Deutschlands größtes Musiktheater für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter. Lehrer*innen und Erzieher*innen stellen die größte Gruppe an Ansprechpartner*innen in den täglichen Kommunikationsabläufen dar.    Am Beispiel des Fantasy-Singspiels „Albirea. Nur ein Kind kann die Welt retten“, das im Oktober 2019 uraufgeführt werden wird, ist es der Wunsch von ATZE, ein innovatives Open Source Tool zu entwickeln, mit dem eine digitale Abbildung des künstlerischen Programms möglich ist und durch das den Figuren der Stücke begegnet werden, mit ihnen in Interaktion getreten und virtuell in ihre Welt eingetaucht werden kann. „Albirea“ wird maßgeblich mit einem virtuellen Bühnenbild und Video-Mapping gestaltet. Dieses Konzept, in dem Darsteller*innen nicht nur auf der Bühne, sondern auch Teil einer virtuellen Welt sind, soll in die Entwicklung des Tools bzw. eines ersten Prototypens aufgenommen und weiterentwickelt werden.

Aufgabe ist es, ein Tool zu entwickeln, das den interaktiven/spielerischen Part mit dem theaterpädagogischen Angebot des ATZE Musiktheaters vereinbart, und dieses als Kommunikationstool mit Pädagog*innen zu nutzen.

Analoge Reservierungen digitalisieren

Das Figurentheater Grashüpfer veranstaltet im Jahr bis zu 400 Veranstaltungen für Kinder und Familien, die von bis zu ca. 16.000 Zuschauer*innen besucht werden. Es soll eine Open Source-Anwendung entwickelt bzw. adaptiert werden, mit der die bislang analog per Telefon und über ein Webformular erfolgenden Ticketreservierungen mit den internen Arbeitsprozessen verknüpft und digitalisiert werden können. Ein wichtiger Aspekt ist die Dokumentation der Vorgehensweise bei der beispielhaften Implementierung der Open Source-Anwendung.

„Hol‘ Dir die Kunst ins Haus“- Kunstverleih digital

Der Kunstverleih Lichtenberg (Bezirksamt Lichtenberg – FB Kunst) verfügt über ca. 450 Originale, die gegen eine geringe Leihgebühr ausgeliehen werden können. Diese Kunstwerke sollen digital in einer Datenbank erfasst und über die Webseite der Galerie 100 verlinkt werden.

Publikumsgespräche für alle – digitale Anwendungen für den Dialog

Nach den Theatervorstellungen am Berliner Ensemble werden regelmäßig Publikumsgespräche durchgeführt und dabei entstehen interessante und persönliche Dialoge und Diskussionen. Schauspieler*innen und Regisseur*innen treten mit dem Publikum in Austausch über die Inszenierung. Um eine erweiterte Zielgruppe zu erreichen, sollen digitale Schnittstellen bzw. Anwendungen und Ideen entwickelt werden. Eine Aufgabe wäre es beispielsweise, zusätzlich Fragen der Zuschauer*innen digital zu übersetzen und allen im Saal, auf der Website oder in Foren zum Austausch zugänglich zu machen. Für die Abstimmung der Fragen müsste ein geschützter Raum entwickelt werden.

Kulturhaus Spandau: Alte Musik sucht neue Gäste

Das Kulturhaus Spandau bietet ca. 400 Veranstaltungen jährlich im Kulturhaus, in der Zitadelle, auf der Freilichtbühne und im öffentlichen Raum und leistet einen signifikanten Beitrag für das Spandauer Kulturangebot. 2020 ist neben einem Jazzfestival im Spätherbst auch ein Festival unter dem Slogan „Spandau macht Alte Musik“ im Gotischen Saal mit international renommierten Künstler*innen geplant. Um neue Zielgruppen zu akquirieren, soll eine digitale Plattform zur direkten Ansprache und als neuer Kommunikations- und Marketingkanal entwickelt werden. Ferner sollen damit weitgehend automatisiert die Bestückung diverser Presse-/Marketingportale bedient werden, um Arbeitsprozesse zu vereinfachen.

 

 

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