Informatives

Mit dem Projekt „kulturBdigital“ möchten wir ein Forum und eine „Werkstatt“ bieten, Praxiswissen vermitteln, ausprobieren, Hemmschwellen abbauen und sparten- und einrichtungsübergreifend Kulturakteure befähigen, Digitales in der täglichen Arbeit mitzudenken.

Nicolas Zimmer – „Disrupting Culture? Digitale Transformation in der Kultur“

11. Januar 2019

Nicolas Zimmer, Vorstandvorsitzender der Technologiestiftung Berlin, beginnt seinen Vortrag mit klaren Worten: „Ich bin vieles, aber bestimmt kein Künstler. Mein Thema ist die Infrastruktur.“ Ganz bewusst hat Zimmer das Buzzword „Disruption“ in den Titel seines Vortrags genommen, weil das Prinzip auch auf den Kulturbetrieb angewandt funktioniert. Disruption beschreibt eine Produktentwicklung, die sich nicht an den Wünschen der Kund*innen oder des Publikums orientiert – und sich damit limitiert. Es geht um Techniken und Anwendungen, die sich zuerst in einer Nische entwickeln, langfristig aber zu weitreichenden Änderungen führen. Das bekannteste Beispiel für Disruption, die Verbreitung der Smartphones, nahm vor gut 10 Jahren mit dem ersten iPhone seinen Anfang. Die Folgen sind gravierend und betreffen auch die etablierten Kultureinrichtungen. Theater, Opern, Museen und Konzerte sind in der Statistik der Freizeitbeschäftigungen weit abgeschlagen hinter „online surfen“ und „social networks“.

Videoproduktion: Bollemedia TV- und Videoproduktion

Abb. 1: Beliebteste Freizeitbeschäftigungen(https://de.statista.com/statistik/daten/studie/171601/umfrage/mehrmals-pro-monat-ausgeuebtefreizeitaktivitaeten/)

Die Produktion von Inhalten ist dabei längst nicht mehr „Profis“ wie Schauspieler*innen, Musiker*innen oder Journalist*innen vorbehalten. „Es ist die Stunde der Amateure“, sagt Nicolas Zimmer. „Man könnte auch sagen: die Stunde der Macher.“ Diese Macher*innen haben gegenüber konventionellen Kultureinrichtungen den Vorteil, dass sie die Infrastruktur von Plattformen wie YouTube nutzen, um ihre Kreativität auf den Markt zu bringen. Abrechnung, Vermarktung, Computerleistung – um all das kümmern sich die Plattformen zu erschwinglichen Beträgen. Die Masse macht’s. Ähnliche Plattformen, die es Kulturinstitutionen ermöglichen würden, sich auf das Wesentliche –die Inhalte – zu konzentrieren, gibt es nicht. Auch die Verwendung von Open Source-Produkten, die gemeinsam entwickelt und geteilt werden, ist wenig ausgeprägt. Man nutzt, was man kennt, und verzichtet dabei auf viele Vorteile. Der Kulturbetrieb konkurriert mit neuen Angeboten wie YouTube oder Netflix um die begrenzte Ressource der Aufmerksamkeit des Publikums. Es stellt sich die Herausforderung, zwischen den durchschnittlich 6000 Informationen, die am Tag auf einen Menschen einprasseln, ins aktive Bewusstsein vorzudringen. Plattformen wie Netflix nutzen dafür ausgefeilte Personalisierungsstrategien. So gibt es beispielsweise für eine Serie mehrere Teasergraphiken, die je nach Kundenprofil angepasst und angezeigt werden. Von so einem Aufwand sind die Kulturinstitutionen weit entfernt. Weniger als die Hälfte der 322 Berliner Kultureinrichtungen verwendet auf ihren Internetseiten Metatags, noch weniger nutzen Analysetools, um etwas über die Nutzer*innen herauszufinden.

Abb.2. Verwendung von Metatags (eigene Darstellung von Nicolas Zimmer)

Das hat zur Folge, dass diese Webauftritte nicht nur nicht an das Publikum angepasst werden können. Es heißt, dass die Webseiten so gut wie unauffindbar sind. Hier muss möglichst schnell ein Umdenken stattfinden, denn was nützt eine aufwendig gestaltete und gepflegte Webseite, wenn sie die Zielgruppe nicht erreicht? Wer hier Zeit spart, spart am falschen Ende. Meine Take away Message ist deshalb: Wenn wir wollen, dass Kunst und Kultur wahrgenommen werden und sich behaupten können, dann bleibt kein anderer Weg als der Weg über die Daten. Denn wie Brecht sagt: Die im Dunkeln sieht man nicht.

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Konferenz zur digitalen Entwicklung des Kulturbereichs

7. Januar 2019

Wie kann die Zukunft von Kulturinstitutionen im Zeitalter der Digitalisierung aussehen? Und sind wir da nicht schon längst angekommen? Schließlich dürfte es in Berlin kaum eine Bühne ohne eigene Internetseite geben. Social Media-Kanäle und Livestreams werden genutzt, um auf Aufführungen und Ausstellungen aufmerksam zu machen, Tickets können im Internet gekauft werden und Depotstücke werden digitalisiert und ins Netz gestellt.

Das ist alles gut und richtig, aber es ist nicht genug, mahnt der Senator für Kultur und Europa, Dr. Klaus Lederer auf der Konferenz kulturBdigital: „Wir sind ohnehin schon spät dran. Wenn sich der Kulturbetrieb der Digitalisierung nicht öffnet, werden wir abgehängt.“

Videoproduktion: Bollemedia TV- und Videoproduktion

Statistiken zeigen, dass die öffentlich geförderten Kultureinrichtungen zunehmend in Konkurrenz zu anderen Freizeitangeboten stehen. Angebote wie Netflix und YouTube sind mehr an den Bedürfnissen der Nutzer*innen ausgerichtet und agieren geschickter im Kampf um die knappe Aufmerksamkeit. Gleichzeitig ist eine breite Teilhabe am (geförderten) Kulturangebot gerade deshalb wünschenswert, um andere nicht-kommerzielle Blickwinkel zu ermöglichen.

Der geplante „Innovationsfonds zur digitalen Entwicklung im Kulturbereich“ soll den nötigen Wandel anstoßen und damit „die Publikumsentwicklung mit digitalen Mitteln“ voranbringen, die eine wichtige kulturpolitische Zielsetzung der Europäischen Union ist.

Dem Fonds vorangestellt ist ein moderierter Findungsprozess, dessen erster Höhepunkt die Konferenz kulturBdigital der Technologiestiftung Berlin bildet. In sieben Expertenvorträgen und einer Diskussion geht es um die Frage: Wo ist die Berliner Kulturlandschaft schon digital und wo ist Geld gut investiert, wenn sie noch digitaler werden soll? Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Open Source Gedanken: Gerade kleinere Institutionen profitieren von Kooperationen und gegenseitigem Erfahrungsaustausch. „Nicht bei Null anfangen“, ist eine der wichtigsten Botschaften, die Katrin Glinka von dem Verbundprojekt museum4punkt0 dem Publikum mit auf den Weg gibt. Das Projekt kulturBdigital ist eine Einladung an alle Berliner Kulturschaffenden, den digitalen Wandel aktiv mitzugestalten und gemeinsam digitale Werkzeuge zu entwickeln, die spartenübergreifend anwendbar sind.

Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa: „Die Digitalisierung bietet der Berliner Kulturszene viele Möglichkeiten, zum Beispiel effizienter zu arbeiten oder neue Zielgruppenzu erschließen. In der Berliner Kulturszene, wo bis zum Limit gearbeitet wird, fehlen allerdings oft die Ressourcen, sich das Thema umfassend zu erarbeiten und dienotwendigen Strukturveränderungen aktiv anzugehen. Um die Szene bei der digitalen Entwicklung zu unterstützen, werden wir in Berlin ab 2020 einen Innovationsfonds einrichten,dessen Förderrichtlinie wir gerade gemeinsam mit der Technologiestiftung Berlin konzipieren.“

Die Konferenz kulturBdigital hat dazu wertvolle Anregungen gegeben und Akteure von der Freien Szene über Museen, Kunsthochschulen, Gedenkstätten, Theatern und Bibliotheken miteinander in Austausch gebracht.

 

Spannender Artikel zur Konferenz von Dr. Thorsten Beck.

 

Fotos: Jeanette Dobrindt

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Auswertung

10. Dezember 2018

Im Rahmen des Projekts kulturBdigital wurden bereits verschiedene Aktivitäten durchgeführt, um qualifizierten Input zur Konzeption der Förderrichtlinie für den Innovationsfonds, den die Senatsverwaltung für Kultur und Europa ab 2020 einrichten wird, zu sammeln.

Um zunächst eine breit gefächerte Bedarfsanalyse zu gewährleisten, wurden Interviews geführt, eine Umfrage verschickt, zwei Workshops mit Kulturschaffenden aus Berlin veranstaltet, an mehreren Roundtables und Treffen teilgenommen und mit vielen weiteren interessierten Personen gesprochen. Darüber hinaus hat bereits ein Design Sprint zum Thema Ticketing/Audience Development und eine Informationsveranstaltung zur Suchmaschinenoptimierung für Kultureinrichtungen stattgefunden. Diese beiden Themen haben sich im Rahmen der Bedarfsanalyse als äußerst relevant erwiesen.

Zur Auswertung

„… die im Dunkeln sieht man nicht“ – Suchmaschinenoptimierung für Kultureinrichtungen

27. November 2018

Angesichts der Macht von Suchmaschinen und der Chance, durch Suchmaschinenoptimierung (SEO) zielgruppenorientierter zu agieren, haben wir uns Metadaten verschiedener Kultureinrichtungen und -akteure angeschaut und ausgewertet. Auf dieser Basis hat Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung, am 13.11.2018 das Thema der Suchmaschinenoptimierung grundlegend beleuchtet und mögliche Wege zu einer (noch?!) besseren Auffindbarkeit aufgezeigt. Im Rahmen der Informationsveranstaltung hat sich deutlich herausgestellt, dass Suchmaschinenoptimierung ein Thema ist, das kulturBdigital in einem weiteren Veranstaltungsformat aufgreifen wird.

Design Sprint „Ticketing/ Audience Development“

15. November 2018

In dem dreitägigen Designsprint (17. - 19.10.2018) wurden mit Mitarbeiter*innen von Berliner Kultureinrichtungen und aus der Freien Szene Ideen für Ticketing und Audience Development entwickelt. Ticketing kann in Zukunft über den reinen Ticketverkauf hinausgehen und Besucher*innen weitere Services bieten.

Indem sich verschiedene Berliner Kultureinrichtungen bspw. auf einer gemeinsamen datengeschützten Open-Source-Plattform zusammenschließen, können Metadaten gebündelt und ausgewertet werden. Zu diesem Szenario wurden im Designsprint zukünftige Services erarbeitet, die durch das Bündeln der Metadaten ermöglicht werden. Das Ticketing wird in ein lohnenswertes Besucher*innen- Erlebnis eingebettet und schafft neue Anreize, Kultureinrichtungen zu besuchen. Ebenso wurde das Potenzial für den Austausch unter den Kultureinrichtungen über eine gemeinsame Plattform ausgelotet.

20181017 DS Ticketing_Audience Development

Quelle Graphic Recording: Jana Kreisl

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Design Thinking Workshop „Open Minded I & II“

9. November 2018

In zwei eintägigen Design-Thinking-Workshops des Projekts „kulturBdigital“ in der Technologiestiftung Berlin am 05. und 12. Oktober 2018 setzten sich Teilnehmer*innen aus bezirks- und landesgeförderten Kultureinrichtungen sowie der Freien Szene mit Fragestellungen der Digitalisierung im Kulturbereich auseinander. Die Zielsetzung der Workshops war die Erstellung einer Bedarfsanalyse und die Entwicklung von nutzer*innenorientierten Ideen und Funktionen.

Unter der Leitung von Edmundo Galindo und Andre May sowie in Zusammenarbeit mit internen Expert*innen der Technologiestiftung Berlin, ebenso wie der Illustratorin Jana Kreisl entstanden folgende Ergebnisse, die Ihnen als PDF zum Download zur Verfügung stehen:

20181005 WS Open Minded I

20181012 WS Open Minded II

Quelle Graphic Recording: Jana Kreisl

 

 

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Herzlich Willkommen

13. September 2018

Der Berliner Senat hat sich auf die Einrichtung der Förderrichtlinie für den Innovationsfonds 2020 zur digitalen Entwicklung des Kulturbereichs verständigt. Mit dem Projekt „kulturBdigital“ wird durch die Technologiestiftung Berlin die Konzeptionsphase dieses Fonds strukturiert gestaltet und so die Förderrichtlinie mit bedarfsgerechten Inhalten unterstützt.

Durch Recherche und Bestandsanalysen wird erfasst, wo die landes- und bezirksgeförderten Einrichtungen und die Akteure aus der Freien Szene stehen, welche Aktivitäten, Projekte, Angebote und Veranstaltungen es schon gibt und welche digitalen Tools bereits eingesetzt werden. Interessent*innen können sich jederzeit gerne über Kontakt oder Mitmachen an die Ansprechpartner*innen der Technologiestiftung wenden.

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Neuigkeit

Roundtable digitale Strategien an Berliner Museen

24. August 2018

Am 23.08. hat in der Technologiestiftung Berlin der Roundtable zu digitalen Strategien in Berliner Museen stattgefunden. Hierbei handelt es sich um ein monatliches Treffen von Vertreter*innen der Museumsszene, welches in einer jeweils anderen Einrichtung stattfindet und wichtige Aspekte hinsichtlich digitaler Entwicklungen im Museumsbetrieb behandelt.

Edmundo Galindo, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Experte im Bereich Design Thinking an der Technologiestiftung, hat hierbei in seinem Einführungsvortrag das Thema „Ticketing“ aufgegriffen. Dabei hat er neben open source auch kommerzielle Angebote und deren Vor- und Nachteile vorgestellt. In einem weiteren Schritt hat er Usecases entwickelt, um zu zeigen, wie aus Nutzer*innenperspektive Angebote auch über das bloße Ticketing hinausgehen können. Hierzu gehören mitunter Schnittstellen zur Kommunikation mit den Besucher*innen, die Empfehlung zu weiteren Angeboten und die Anbindung des Webshops.

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Bericht