Mastodon, PeerTube & Co.: Fediverse-Basiswissen für Kulturakteur:innen

Mit Mastodon, PeerTube und weiteren Plattformen des Fediverse könnt ihr eure Inhalte und euer Publikum aus den Fängen kommerzieller Anbieter befreien. Hier erfahrt ihr, wie das Fediverse aufgebaut ist und wie soziale Medien funktionieren, die nicht auf Tracking, algorithmischen Empfehlungen und Werbung basieren.


Umgestaltung des Fediverse-Logos in kulturBdigital-Farben: Ein Fünfeck, dessen Ecken innerhalb des Fünfecks in Pentagrammform miteinander verbunden sind.
Das Fediverse-Logo in kulturBdigital-Farben. Grafik: Technologiestiftung Berlin

Was ist das Fediverse?

Das Fediverse (federation universe) bezeichnet eine Reihe von sozialen Netzwerken, die über offene Protokolle miteinander verbunden sind. Diese Protokolle sind wie gemeinsame Sprachen oder offene Regelwerke, mit denen die Dienste untereinander kommunizieren können. Durch ActivityPub, das wichtigste dieser Protokolle, sind zehntausende Server (sogenannte Instanzen) miteinander verbunden. In dieser Föderation können sich Nutzer:innen gegenseitig folgen, miteinander interagieren und dabei selbst bestimmen, wo ihre Daten gespeichert werden.

Welche Dienste und Netzwerke gehören zum Fediverse?

KategorieFediverse-ProjektBekannte Alternative
MicrobloggingMastodonX, Threads, Bluesky
Misskey
Pleroma
GoToSocial
Bilder & Videos teilenPixelfedInstagram
Videohosting/-sharingPeerTubeYouTube, Vimeo
OwncastTwitch, YouTube Live
LoopsTikTok
Musik, Podcasts & Co. teilenFunkwhaleSoundcloud, Bandcamp
Soziale NetzwerkeFriendicaFacebook
Link Aggregator/NewsLemmyReddit, Pinterest
Event-PlanungMobilizonFacebook Events
Content-Management, MacrobloggingGhostBlogger, Medium
WordPress
BuchkatalogisierungBookWyrmGoodreads
Karriere-Netzwerkponos-job.euLinkedIn
Es gibt noch einige andere Plattformen. Diese Tabelle zeigt die anschlussfähigsten Plattformen für die Kultur.

Was macht das Fediverse anders?

Das Fediverse ist werbe- und trackingfrei, dezentral und offen – es gehört uns allen. Im Fediverse kann man wählen, wo die eigenen Inhalte gespeichert werden. Es ist außerdem frei von Algorithmen, die aus dem eigenen Nutzungsverhalten vermeintliche Vorlieben ableiten und entsprechende Inhalte ausspielen. Was man sieht, hört und liest, bestimmt man selbst.

Außerdem sind die Angebote des Fediverse untereinander kompatibel. Du hast schon einen Mastodon-Account, möchtest aber auch mal PixelFed ausprobieren oder ein Video bei PeerTube kommentieren? Diese drei Dienste sprechen dieselbe Sprache und können grundsätzlich mit einem Account genutzt werden.

„Fediverse ist ein Oberbegriff für soziale Medien, die zusammenarbeiten, statt zu konkurrieren.“ JoinTheFediverse.net

Was ist eine Instanz und wozu muss ich eine auswählen?

Eine Instanz ist, vereinfacht gesagt, der Server, bei dem der Account erstellt wird und wo die eigenen Inhalte gespeichert werden. Da es keine zentrale Firma hinter dem Fediverse gibt, muss man sich für einen der vielen Anbieter von Instanzen entscheiden oder eine eigene Instanz betreiben.

Worin unterscheiden sich die Instanzen?

Manche Instanzen sind als lokale Stadtgruppen oder Interessensgemeinschaften für bestimmte Themen gedacht. Viele Instanzen werden von gemeinwohlorientierten Organisationen oder Verbänden getragen. So betreibt ein Zusammenschluss deutscher Stiftungen beispielsweise eine eigene Mastodon-Instanz und die Staatsbibliothek zu Berlin kooperiert mit der Zentral- und Landesbibliothek beim Betrieb einer Instanz für deutschsprachige Bibliotheken und Informationseinrichtungen. Auch Digitalcourage, der Verein chaos.social oder die Mastodon GmbH betreiben eigene Mastodon-Instanzen. Letztere bieten auch eine umfangreiche Auflistung weiterer Betreiber:innen an. Die Instanzen unterscheiden sich manchmal in den Moderationsregeln, der zulässigen Länge von Posts, den Community-Richtlinien oder technischen Besonderheiten wie der Unterstützung für bestimmte Medienformate. Da Nutzer:innen jederzeit wechseln können, ist die Wahl der Instanz zwar eine Vertrauensfrage, für die Reichweite aber zweitrangig.

Um die Fähigkeit zur gegenseitigen Zusammenarbeit und Vernetzung („Interoperabilität“) anschaulich zu machen, die die Fediverse-Plattformen verbindet, wird das Fediverse oft mit E-Mail verglichen:
Mit einer E-Mail-Adresse können Mails an jede beliebige andere Mail-Adresse geschickt werden und der Anbieter kann jederzeit gewechselt werden.

Accounts im Fediverse bestehen aus dem Nutzer:innen-Namen und der Instanz:
@kulturBdigital@mastodontech.de und @kulturBdigital@mastodon.social sind also unterschiedliche Accounts (ggf. von unterschiedlichen Personen), weil sie auf unterschiedlichen Instanzen liegen.

Warum lohnt sich eine Präsenz im Fediverse?

Zugänglichkeit

Um eure öffentlichen Inhalte zu sehen, braucht euer Publikum im Fediverse keine eigenen Accounts. Sie sind so offen einsehbar wie die Inhalte eurer Website. Ein großer Vorteil gegenüber vielen kommerziellen sozialen Netzwerken. Die Anzahl der Follwer:innen eines Accounts hat deshalb eine geringere Aussagekraft über die Reichweite seiner Inhalte. Im Zentrum steht auf jeder Ebene die Offenheit.

Werbefreiheit

Proprietäre Social-Media-Plattformen sind dafür gemacht, möglichst viel Werbung möglichst zielgenau auszuspielen. Deshalb sind sie meist geschlossen, sammeln so viele Daten wie sie nur können und setzen alles daran, dass man möglichst lange auf der Plattform bleibt. Das ist im Fediverse anders. Werbung gibt es hier nicht und auch keine süchtig machenden Mechanismen.

Unabhängigkeit

So wie Kultureinrichtungen ihre eigene Website selbst verwalten, so können sie auch die Kontrolle über ihre Social-Media-Inhalte behalten. Im Fediverse entscheiden nicht Konzerne oder Milliardär:innen über die Reichweite. Inhalte und Kontakte können umgezogen werden, was das Fediverse zukunftssicherer macht.

Was bedeutet Datenhoheit?

Nichts ist für Kultureinrichtungen wichtiger als das eigene Publikum. Aber während Bühnenräume, Ausstellungen und Lesesäle frei gestaltet werden können, stehen die großen sozialen Netzwerke unter der absoluten Kontrolle der Anbieter.

Wenn ein soziales Netzwerk verkauft wird oder sich Stimmungen radikal ändern, fragen sich viele: „Wo wollen wir bewusst nicht mehr sein?“. Follower:innen und Content bleiben dann aber auf der Plattform gefangen, was einen Umzug unmöglich macht.

Die digitalen Kommunikationsmittel und -wege von Kultureinrichtungen sollten daher nicht allein in den Händen einiger weniger Unternehmen liegen. Im Fediverse können Nutzer:innen über ihre Daten verfügen, sie haben die Kontrolle über ihre Inhalte und Follower:innen und können jederzeit wechseln.

Gibt es algorithmische Timelines im Fediverse?

Meist wird eine chronologische Timeline angezeigt. Das bedeutet, dass nur die Community und nicht der Anbieter bestimmt, welche Beiträge populär werden. #Hashtags helfen dabei, interessante Themen zu finden, sie spielen im Fediverse eine wichtige Rolle. Noch wichtiger sind aber spannende, wertvolle oder hilfreiche Inhalte und eine ehrliche und direkte Interaktion mit den Follower:innen.


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