3 Use-Cases aus dem Kulturbereich für die Video-Plattform PeerTube

Digitale Unabhängigkeit muss nicht kompliziert sein und darf im Kleinen anfangen. Hier erfahrt ihr, welche Vorteile die Video-Plattform PeerTube bietet und warum sie auch als Ergänzung zu den bestehenden Kanälen bei großen Plattformen Sinn ergibt – nicht zuletzt für eure Zielgruppe.


Drei miteinander verbundene Kreise symbolsieren einen Ausschnitt des Fediverse. In eiinem der Kreise ist das PeerTube-Logo zu sehen.

Die eigenen Videos auf YouTube einzustellen und sie von dort in die eigene Website einzubinden, ist naheliegend und einfach. Kein Wunder also, dass viele Kulturakteur:innen sich immer noch für diesen Weg entscheiden, wenn auch mit etwas ungutem Bauchgefühl. Schließlich ist inzwischen vielen bewusst, dass YouTube mit den eingestellten Inhalten nicht nur Geld verdient, sondern auch bei eingebetteten Videos viele Daten der Nutzer:innen abgreift und ihnen potenziell unerwünschte und inhaltlich unpassende Empfehlungen ausspielt.

Die YouTube-Alternative PeerTube kann helfen, das ungute Bauchgefühl loszuwerden und hat je nach Einsatzszenario weitere Vorteile für Kulturinstitutionen.

Was ist PeerTube?

Bei PeerTube gibt es keine Werbung. Empfehlungsalgorithmen existieren zwar, sie sind aber darauf ausgerichtet, den Nutzer:innen passende, weiterführende Inhalte zu liefern, und verfolgen keine verborgenen Ziele wie eine möglichst lange Verweildauer auf der Plattform. Dabei werden weder unnötig Daten gesammelt noch geheime Nutzer:innenprofile erstellt. Die Open-Source-Software kann DSGVO-konform von einem Dienstleister oder von Kultureinrichtungen selbst betrieben werden.

Auch PeerTube-Videos können einfach in die eigene Website eingebunden werden. Der Vorteil: Mit PeerTube gibt man seine Videos nicht aus der Hand. Kleine Videobearbeitungen sind direkt im Tool möglich, ebenso die automatische Untertitelung mithilfe von KI. Mitarbeitende können auf PeerTube unterschiedliche Rollen übernehmen, zum Beispiel als Video-Cutter:in oder in der Moderation, darüber hinaus können alle Inhalte jederzeit exportiert werden.

Dabei ist es nicht nötig, YouTube oder Vimeo gleich den Rücken zu kehren. PeerTube kann Videos von den großen Plattformen auch per Link importieren. Thumbnails, Videobeschreibung und andere Metadaten werden so gleich mitgenommen. Damit gelingt der Wechsel ohne großen Zusatzaufwand.

PeerTube ist Teil des Fediverse, einer Gruppe alternativer Social-Media-Dienste auf Open-Source-Basis, die untereinander kompatibel sind. Zum Fediverse gehören auch der Microblogging-Dienst Mastodon und die Instagram-Alternative Pixelfed. Mehr dazu in unserem Einführungsartikel.

Kultureinrichtungen haben sehr unterschiedliche Voraussetzungen und stellen ebenso unterschiedliche Anforderungen an Video-Hosting. PeerTube lässt sich flexibel konfigurieren, um dieser Vielfalt gerecht zu werden. Die folgenden drei fiktiven Anwendungsfälle zeigen, wie die Software in verschiedenen Häusern eingesetzt werden könnte:

Use Case A: Videos mit PeerTube online verwalten

Eine Kultureinrichtung möchte die eigenen Veranstaltungsmitschnitte zentral organisieren und Original-Videos aufbewahren. Sie beauftragt einen Dienstleister mit dem Betrieb einer PeerTube-Instanz, nutzt die Plattform aber zunächst nur als Speicherort für ihre Videos.

Mit PeerTube sammelt sie alle bisher produzierten Videos an einer Stelle. Ihre alten Videos auf Vimeo oder YouTube können mit einem Klick inklusive Metadaten und Thumbnails von PeerTube importiert werden. Auch unveröffentlichte oder interne Videos, die bisher nur auf externen Festplatten gespeichert waren, landen nun bei PeerTube. Ihr Dienstleister macht regelmäßige Backups von der Plattform.

Die Kultureinrichtung legt die Zugänge zu ihren Videos fest. Jedes PeerTube-Video ist entweder:

  • öffentlich sichtbar,
  • nur mit privatem Link aufrufbar,
  • nur für eine angemeldete Person sichtbar
  • oder für alle angemeldeten Personen zugänglich
  • oder komplett passwortgeschützt.

PeerTube bietet außerdem an, die Original-Datei des Videos nach der Umrechnung in andere Auflösungen zu behalten. Untertitel erstellt die Plattform auf Wunsch mit einer integrierten KI, sie können aber auch händisch angepasst werden. Es gibt zudem eine Videobearbeitungsfunktion, Felder für Metadaten (Tags und Beschreibungen) sowie eine Suche. Bei PeerTube lassen sich pro Account mehrere Kanäle erstellen, was zusätzliche Übersicht schafft, wenn man Videos thematisch sortieren möchte. Ein Export oder Umzug ist jederzeit möglich.

Use Case B: YouTube-Videos mit PeerTube ersetzen

Um unabhängiger zu werden und mehr Kontrolle über die eigenen Inhalte zu erlangen, möchte eine Kultureinrichtung auf der eigenen Website keine YouTube-Videos mehr einbinden.

Die bestehenden YouTube-Videos kann PeerTube einfach importieren. Beschreibungstexte und Thumbnails werden dabei übernommen. Neue Videos landen zukünftig zuerst auf PeerTube und werden dort mit Beschreibungen, Kapiteln und anderen Metadaten versehen.

Ein Klick auf den „Teilen“-Button generiert den passenden Einbettungscode für die Website. Das Teilen-Menü offenbart aber noch mehr: Nutzer:innen können Start- und Endzeit festlegen und wählen, ob das Video stumm, mit Untertiteln oder in einer Schleife abgespielt wird. PeerTube erstellt zudem zu jedem Video einen QR-Code, den die Kultureinrichtung in ihren Räumen und auf Info-Material verwenden kann.

Weil der YouTube-Player auf der eigenen Website ungefragt Daten von Besucher:innen einsammelt, gab es bisher ein Banner über diesen Videos. Dieses Datenschutz-Overlay ist bei PeerTube-Videos nicht mehr nötig, weil sich die Plattform datensparsamer einsetzen lässt. Auf Klickzahlen und andere Metriken muss die Einrichtung trotzdem nicht verzichten.

PeerTube dient aber nicht nur als Video-Server für die Einbettungen, Besucher:innen können darüber auch alle Videos durchsuchen, ohne von Werbung oder anderen Inhalten abgelenkt zu werden. Die Sortierung von Videos in unterschiedlichen Kanälen ermöglicht es, sich gezielt zu bestimmten Themen zu informieren oder einzelne Formate separat zu abonnieren.

Use Case C: Ein Kulturvideo-Netzwerk im Fediverse

Mehrere Kultureinrichtungen möchten gemeinsam mehr Sichtbarkeit für ihre Angebote schaffen, Bandbreite und Rechenkapazitäten sparen und unabhängiger von Big Tech werden.

Sichtbarkeit

Jede PeerTube-Installation ist eine Fediverse-Anwendung und kann andere Instanzen abonnieren. Einige Kultureinrichtungen entscheiden sich, einander gegenseitig zu folgen und bilden so einen Verbund von Kulturvideo-Plattformen, der ohne zentrale Verwaltung auskommt – eine sogenannte Föderation. Besucher:innen können damit auf jeder beteiligten Plattform die Videos aller teilnehmenden Häuser sehen.

Weil die Kultureinrichtungen damit auch Inhalte anderer Häuser auf ihrer Plattform ausspielen, einigen sie sich auf gemeinsame Richtlinien, zum Beispiel keine Uploads von Privatpersonen zuzulassen. Da die Videos teils direkt von den Servern der anderen Häuser geladen werden, passen die Betreiber:innen auch ihre Datenschutzerklärungen entsprechend an.

Einige Einrichtungen erlauben Kommentare unter ihren Videos. Diese können nicht nur von Nutzer:innen der eigenen Plattform kommen, sondern aus dem ganzen Fediverse, etwa von Mastodon-Accounts. So erreichen die Videos ein breiteres Publikum und laden zum Austausch ein. Damit das gut funktioniert, lassen sich in PeerTube Rollen mit unterschiedlichen Rechten vergeben: Moderator:innen kontrollieren die Inhalte und Admins verwalten die Instanz.

Bandbreite

Wenn viele Menschen gleichzeitig dasselbe Video ansehen möchten, muss der Server genug Bandbreite haben, um es an alle auszuliefern. Bei PeerTube können andere Server im Verbund deshalb anbieten, besonders beliebte oder neue Videos zusätzlich auch bei sich zu speichern. Sie liefern diese gespiegelten Videos dann mit aus. So verteilt sich die Last auf mehrere Schultern: Der ursprüngliche Server wird entlastet und das Video bleibt auch bei großem Andrang verfügbar.

Rechenkapazitäten

PeerTube braucht keine anspruchsvolle Hardware, nur das Umrechnen von Videos in andere Auflösungen benötigt Rechenpower, wenn es zügig gehen soll. Das ist vor allem beim Live-Streaming wichtig. Deshalb teilt sich der Kulturvideo-Verbund einen leistungsstarken zusätzlichen Server, der die Umrechnung für alle Häuser bündelt, einen sogenannten Remote-Runner.

Kulturvideos ins Fediverse bringen

Auf der kulturBdigital-Konferenz am 15. Oktober 2025 geben Simon und Stefan – das Team des kulturBdigital-HelpDesks – Einblicke in die Arbeit mit PeerTube. Außerdem gibt es einen Workshop, indem ihr erfahrt, wie ihr PeerTube auch in eurer Institution einsetzen könnt. Jetzt anmelden!


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